Krankheiten · Auslandstierschutz

Hunde aus Süd- und Osteuropa: Was du über Mittelmeerkrankheiten wissen musst

Leishmaniose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Babesiose, Rickettsiose und Herzwürmer haben eine Eigenschaft gemeinsam: Sie schlummern oft monatelang, bevor sie sichtbar werden. Deshalb sagt ein Test kurz nach der Einreise wenig aus. Aussagekräftig wird er frühestens sechs Monate nach dem letzten Kontakt mit dem Überträger.

Du sitzt abends vor dem Laptop und schaust dir ein Foto an. Ein magerer Rüde aus Rumänien, zwei Jahre alt, guckt in die Kamera. Die Vermittlung schreibt, er sei „getestet und gesund“. In vier Wochen könnte er bei dir sein.

Die Frage, die du dir jetzt stellen solltest, ist nicht, ob du ihm helfen willst. Sondern was „getestet“ in diesem Fall eigentlich bedeutet.

Denn die Krankheiten, um die es geht, haben eine Eigenschaft, die sie von fast allem unterscheidet, was du sonst über Hundegesundheit liest: Sie können jahrelang schlummern, bevor sie sichtbar werden. Ein Test, der zum falschen Zeitpunkt gemacht wurde, sagt dir praktisch nichts.

Warum es diese Krankheiten bei uns kaum gibt

Alle sogenannten Mittelmeerkrankheiten haben einen Überträger. Eine Mücke, eine Zecke, ein Floh. Diese Überträger brauchen Wärme, und deshalb waren sie lange auf den Süden beschränkt.

Zecke auf einem Grashalm als Überträger von Babesiose und Ehrlichiose

Das ändert sich gerade. Die Auwaldzecke, die Babesiose überträgt, ist inzwischen in weiten Teilen Deutschlands heimisch. Einzelne Sandmücken, die für die Leishmaniose zuständig sind, wurden am Oberrhein und in Baden-Württemberg nachgewiesen. Wie sich die Überträger ausbreiten, verfolgt das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Das Thema betrifft damit längst auch Hunde, die nie im Ausland waren.

Trotzdem bleibt die Regel einfach: Ein Hund aus Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, Rumänien, Bulgarien oder Ungarn hat ein deutlich höheres Risiko als einer aus dem Tierheim in Dortmund.

Wähl das Herkunftsland und du siehst, welche Erreger dort verbreitet sind, welche Tests sinnvoll sind und wann du sie machen lassen solltest.

Reiseland-Check: Welche Erreger drohen wo?

Wähl das Herkunfts- oder Reiseland. Du siehst, welche Erreger dort vorkommen, wie hoch das Risiko ist und wann ein Test überhaupt aussagekräftig wird.

Die sechs wichtigsten Erreger

Der Prüfungskatalog nennt sie namentlich, und zwar alle auf einmal. Das ist kein Zufall, denn sie treten oft gemeinsam auf. Ein Hund kann problemlos zwei oder drei davon gleichzeitig haben.

ErkrankungÜberträgerInkubationszeitHeilbar?
LeishmanioseSandmückeMonate bis Jahrenein, aber behandelbar
EhrlichioseBraune Hundezecke8 bis 20 Tageja, bei früher Behandlung
AnaplasmoseZecken1 bis 2 Wochenja
BabesioseAuwaldzecke5 Tage bis 3 Wochenja, akut aber lebensbedrohlich
RickettsioseZecken1 bis 2 Wochenja
HerzwürmerStechmücken6 bis 7 Monateja, die Behandlung ist riskant

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →

Die Spalte, auf die es ankommt, ist die dritte. Bei Ehrlichiose und Babesiose merkst du relativ schnell, dass etwas nicht stimmt. Bei Leishmaniose und Herzwurm vergeht oft ein Jahr, in dem der Hund völlig normal wirkt.

Leishmaniose: die mit dem langen Atem

Übertragen durch die Sandmücke

Sie ist die bekannteste und die schwierigste. Übertragen wird sie von einer nur zwei bis drei Millimeter kleinen Sandmücke, die in der Dämmerung sticht und so leise ist, dass man sie kaum bemerkt. Der Erreger befällt Zellen des Immunsystems und breitet sich im ganzen Körper aus. Typische Anzeichen sind Haarausfall rund um die Augen, der eine Art Brille bildet, schlecht heilende Wunden an Ohrrändern und Nase, auffällig lange Krallen, Gewichtsverlust trotz normalem Fressen, und irgendwann Probleme mit den Nieren.

Herzwürmer: das unterschätzte Risiko

Übertragen durch Stechmücken

Herzwürmer wachsen im Herz und in den Lungenarterien zu bis zu 30 Zentimeter langen Würmern heran. Bis sie sich im Bluttest zeigen, vergehen sechs bis sieben Monate. Das ist die längste Lücke von allen, und sie ist der Grund, warum ein Test direkt nach der Einreise beim Herzwurm fast wertlos bleibt. Die Behandlung ist heikel: Wenn abgestorbene Würmer Gefäße verstopfen, wird es gefährlich. Deshalb läuft sie über Wochen unter strenger Ruhighaltung.

Ein infizierter Hund wird die Leishmanien nicht mehr los. Erreichbar ist, dass sie unter Kontrolle bleiben und der Hund ein normales Leben führt. Viele Hunde schaffen das über Jahre, mit Medikamenten und regelmäßigen Blutkontrollen. Für dich als Halter heißt das vor allem: Kosten, die dauerhaft anfallen. Rechne mit regelmäßigen Blutbildern und einer Dauermedikation.

Der Test, den fast alle zu früh machen

Hier liegt der häufigste Fehler, und er passiert mit den besten Absichten.

Eine Vermittlung testet den Hund vor der Ausreise. Das Ergebnis ist negativ. Alle atmen auf. Nur: Wenn sich der Hund vier Wochen vor dem Test infiziert hat, hatte sein Körper noch keine Zeit, Antikörper zu bilden. Der Test findet nichts, weil noch nichts zu finden ist.

Die Faustregel lautet: Ein aussagekräftiger Test erfolgt frühestens sechs Monate nach dem letzten möglichen Kontakt mit dem Überträger. Also frühestens sechs Monate nach der Einreise nach Deutschland.

1Test direkt nach der Ankunft

Er findet alles, was schon länger besteht. Ein positives Ergebnis ist wertvoll, ein negatives sagt wenig.

2Test nach sechs bis sieben Monaten

Erst dieser schließt die Lücke. Sind beide Tests negativ, kannst du dich entspannen.

3Nachfragen statt vertrauen

Frag bei der Vermittlung nach, wann genau getestet wurde und auf welche Erreger. Ein seriöser Verein nennt dir Datum und Liste.

Steht nur „Mittelmeertest negativ“ im Raum, ohne Datum, ist das kein Ergebnis, sondern eine Beruhigung.

Das steht dazu in der Sachkundeprüfung

Frage 181 aus dem Themengebiet Krankheiten

An welchen Erkrankungen leiden Hunde oft, wenn sie aus Süd- oder Osteuropa kommen?

  • A) Leishmaniose.
  • B) Ehrlichiose, Anaplasmose, Babesiose.
  • C) Rickettsiose.
  • D) Herzwürmer.

Richtig sind alle vier. Das ist eine der wenigen Fragen im Katalog, bei der jede Antwortmöglichkeit angekreuzt werden muss. Wer nur an Leishmaniose denkt, verliert hier Punkte. Die neun weiteren Fragen dazu stehen im Themengebiet Krankheiten, üben kannst du sie in den Lektionen mit allen 197 Prüfungsfragen.

Was du vor der Adoption klären solltest

Es geht nicht darum, dir die Adoption auszureden. Es geht darum, dass du weißt, worauf du dich einlässt. Kriterien für eine seriöse Vermittlung nennt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz in ihren Merkblättern zum Auslandstierschutz.

  1. Frag nach dem konkreten Testdatum und den getesteten ErregernNicht „ist er getestet“, sondern „wann, worauf, und darf ich den Befund sehen“.
  2. Lass dir den EU-Heimtierausweis vorab zeigenDarin stehen die Mikrochip-Nummer und die Tollwutimpfung mit Datum. Beides muss stimmen, und die Reihenfolge ist vorgeschrieben: erst chippen, dann impfen. Eine Impfung, die vor dem Chip eingetragen wurde, ist ungültig.
  3. Rechne nachFür die legale Einreise aus einem EU-Land muss die Tollwutimpfung mindestens 21 Tage zurückliegen, und geimpft werden darf frühestens mit zwölf Wochen. Ein Welpe reist damit frühestens mit 15 Wochen legal ein. Die verbindlichen Vorgaben stehen beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Wird dir ein zehn Wochen alter Welpe „aus Ungarn, kommt nächste Woche“ angeboten, stimmt etwas nicht.
  4. Klär die Kostenfrage vorherEine behandlungsbedürftige Leishmaniose kostet über die Jahre einen vierstelligen Betrag. Das ist machbar, wenn man es einplant, und ein Problem, wenn es überrascht.
  5. Frag nach dem VerhaltenViele Hunde aus dem Auslandstierschutz haben nie in einer Wohnung gelebt, kennen keine Treppe, keinen Staubsauger, keine Leine. Das ist lösbar, braucht aber Zeit. Welcher Hund zu deinem Alltag passt, klärt der Selbsttest Welcher Hund passt zu mir.

Vorbeugen, wenn du selbst in den Süden fährst

Das Thema betrifft nicht nur Adoptionen. Wenn du mit deinem Hund nach Italien, Spanien oder Kroatien fährst, gelten dieselben Risiken.

Tierärztin untersucht einen Hund aus dem Auslandstierschutz in der Praxis

Der wirksamste Schutz hält die Überträger fern. Dafür gibt es Halsbänder und Spot-on-Präparate mit repellierender, also abwehrender Wirkung. Wichtig ist das Wort „repellierend“: Ein Mittel, das die Zecke erst tötet, nachdem sie gestochen hat, hilft gegen die Übertragung wenig. Welches Präparat zu welchem Reiseland passt, fasst ESCCAP Deutschland als Fachempfehlung für Tierärzte zusammen. Wie du Zecken im deutschen Alltag fernhältst, steht unter Zeckenschutz für Hunde.

Dazu kommt Verhalten. Sandmücken fliegen in der Dämmerung und nachts. Wer den Hund abends drinnen lässt und die langen Spaziergänge auf den Tag legt, senkt das Risiko deutlich.

Gegen Leishmaniose gibt es außerdem eine Impfung. Sie verhindert die Infektion nicht sicher, mildert aber den Verlauf ab. Ob sie sich für deinen Hund lohnt, hängt davon ab, wie lange und wie oft er in ein Risikogebiet kommt. Das ist ein Gespräch für deine Tierarztpraxis, und zwar mehrere Wochen vor der Reise, weil die Grundimmunisierung Zeit braucht. Welche Impfungen sonst sinnvoll sind und welche wirklich Pflicht ist, klärt der Ratgeber Impfungen beim Hund.

Die Anzeichen, bei denen du zum Tierarzt gehst

Bei einem Hund aus dem Süden gilt eine niedrigere Schwelle als sonst. Wenn dir eines dieser Dinge auffällt, nenne beim Termin ausdrücklich die Herkunft des Hundes.

  • Haarausfall rund um die Augen oder an den Ohrrändern
  • Wunden, die nicht zugehen
  • Auffällig schnell wachsende, brüchige Krallen
  • Gewichtsverlust bei normalem Appetit
  • Nasenbluten
  • Blasse Schleimhäute am Zahnfleisch
  • Anhaltende Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit
  • Husten oder schnelle Ermüdung beim Spazierengehen, was auf Herzwürmer hindeutet

Auch unspezifische Dinge zählen. Ein sonst aktiver Hund, der plötzlich teilnahmslos wird, gehört in die Praxis, und das ist im Prüfungskatalog sogar eine eigene Frage. Wie du dabei die Körpertemperatur richtig bestimmst, steht unter Fieber beim Hund messen, das Vorgehen im Notfall unter Erste Hilfe beim Hund.

Häufige Fragen zu Hunden aus dem Ausland

Kann sich mein Hund in Deutschland mit Leishmaniose anstecken?

Sehr selten, aber nicht ausgeschlossen. Einzelne Sandmücken wurden in Süddeutschland nachgewiesen. Der Hauptübertragungsweg bleibt der Aufenthalt im Süden.

Wann ist ein Test auf Mittelmeerkrankheiten aussagekräftig?

Frühestens sechs Monate nach dem letzten möglichen Kontakt mit dem Überträger. Ein erster Test direkt nach der Ankunft findet alles, was länger besteht. Erst der zweite Test nach sechs bis sieben Monaten schließt die Lücke.

Kann ich mich selbst anstecken?

Von Hund zu Mensch gibt es keine direkte Übertragung. Theoretisch möglich ist eine Ansteckung über dieselbe Mücke, das ist in Deutschland aber praktisch bedeutungslos. Anders sieht es bei Tollwut und Leptospirose aus, die tatsächlich auf Menschen übergehen.

Ist ein Hund mit Leishmaniose ein Fall fürs Tierheim?

Nein. Viele dieser Hunde leben mit passender Behandlung jahrelang beschwerdefrei. Die Diagnose ist kein Grund zur Abgabe, sie ist ein Grund für einen guten Behandlungsplan.

Was kostet der große Mittelmeertest?

Je nach Labor und Umfang bewegt er sich im mittleren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich. Frag in deiner Praxis nach dem Profil, das zum Herkunftsland passt, statt pauschal alles testen zu lassen.

Muss ich den Hund in NRW anmelden, auch wenn er aus dem Ausland kommt?

Ja, wie jeden anderen Hund auch. Wie das läuft, steht unter Hund anmelden und Hundesteuer.

Brauche ich für einen Hund aus dem Ausland den Sachkundenachweis?

Das hängt nicht von der Herkunft ab, sondern von Größe und Rasse. Ab 40 Zentimetern Schulterhöhe oder 20 Kilogramm greift § 11 LHundG NRW, Details unter Hundeführerschein NRW.

Frage 181 gehört zu den zehn Krankheitsfragen

Die sechs Erreger stehen namentlich im Fragenkatalog, und alle vier Antworten sind richtig. Übe die Frage zusammen mit den 196 anderen kostenlos, so oft du willst.

Zu den Prüfungsfragen →

Stand: 9. August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Welches Testprofil für deinen Hund sinnvoll ist, hängt von Herkunftsregion, Alter und Vorgeschichte ab. Von Jürgen Lammers, mehr über mich.