Gesundheit · Notfall erkennen
Fieber beim Hund: ab wann es kritisch wird und was du tun musst
Die normale Körpertemperatur eines erwachsenen Hundes liegt zwischen 37,5 und 39,0 Grad, deutlich höher als beim Menschen. Ab 39,0 Grad spricht man von erhöhter Temperatur, ab 39,5 Grad von Fieber. Ab 41,0 Grad wird es lebensbedrohlich. Gemessen wird immer rektal mit einem digitalen Fieberthermometer. Eine feuchte oder trockene Nase sagt über Fieber nichts aus.
Die Normalwerte im Überblick
| Zustand | Temperatur |
|---|---|
| Untertemperatur | unter 37,5 °C |
| Normal, erwachsener Hund | 37,5 – 39,0 °C |
| Normal, Welpe | 38,5 – 39,5 °C |
| Erhöhte Temperatur | 39,0 – 39,5 °C |
| Fieber | ab 39,5 °C |
| Hohes Fieber | ab 40,5 °C |
| Lebensbedrohlich | ab 41,0 °C |
| Kritisch, Organschäden drohen | ab 42,0 °C |
Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →
Drei Dinge dazu, die oft untergehen.
Welpen liegen höher
Bis zu 39,5 Grad sind bei ihnen normal. Wer den Erwachsenenwert anlegt, gerät unnötig in Panik.
Belastung treibt die Temperatur
Nach einem ausgiebigen Spaziergang, bei Hitze oder beim gestressten Hund in der Tierarztpraxis sind 39,2 Grad kein Fieber. Für eine belastbare Messung sollte der Hund vorher etwa zwanzig Minuten geruht haben.
Untertemperatur ist ebenfalls ein Alarmzeichen. Unter 37,5 Grad deutet auf Kreislaufversagen, Schock oder Vergiftung hin, und ist als Notfall genauso ernst zu nehmen wie hohes Fieber.
In der Sachkundeprüfung gilt ein anderer Wert. Der amtliche Fragenkatalog der Tierärztekammer setzt die Grenze bei 39,3 Grad und den Normalbereich bei 38,0 bis 39,0 Grad. Tiermedizinisch üblich ist die etwas weitere Spanne oben in der Tabelle. Für die Prüfung zählt die amtliche Zahl, im Alltag entscheidet ohnehin nicht die zweite Nachkommastelle, sondern wie es deinem Hund geht. Die zehn offiziellen Fragen stehen in der Kategorie Gesundheit.
Wie du Fieber richtig misst
Rektal, digital, mit etwas Gleitgel. Das klingt unangenehm, dauert aber unter einer Minute.
- Thermometer vorbereitenDigitales Fieberthermometer mit flexibler Spitze, Spitze mit Vaseline oder Gleitgel einfetten.
- Hund sichernAm besten zu zweit: Eine Person hält den Hund seitlich am Brustkorb und spricht ruhig mit ihm, die andere misst. Bei großen Hunden im Stehen, bei kleinen auf einem Tisch mit rutschfester Unterlage.
- Rute anhebenDas Thermometer etwa zwei bis drei Zentimeter einführen, leicht seitlich, damit es an der Darmwand anliegt und nicht im Kot steckt.
- WartenBis das Gerät piept, meist zehn bis dreißig Sekunden.
- Ablesen, reinigen, lobenUnd zwar loben, auch wenn der Hund gezappelt hat.
Was nicht funktioniert: Ohrthermometer sind bei Hunden durch den gewinkelten Gehörgang ungenau. Stirnthermometer für Menschen funktionieren gar nicht. Und die Nase ist kein Indikator, sie kann bei einem fiebernden Hund feucht und bei einem kerngesunden trocken sein.
Der praktische Tipp: Miss einmal bei einem gesunden, entspannten Hund. Dann kennst du seinen persönlichen Normalwert, und im Ernstfall ist die Prozedur nichts Neues, weder für dich noch für ihn.
Woran du Fieber ohne Thermometer erkennst
Sicher geht es nur mit Messung. Aber es gibt Anzeichen, die den Verdacht begründen.
- TeilnahmslosigkeitDer Hund zieht sich zurück, reagiert verzögert, will nicht spielen. Das ist das zuverlässigste Frühzeichen überhaupt.
- AppetitlosigkeitOft bei gleichzeitig gesteigertem Durst.
- Hecheln ohne AnlassIn Ruhe und ohne Wärme.
- Warme Ohren und PfotenballenDazu ein glasiger Blick.
- ZitternMuskelzittern entsteht, weil der Körper die Temperatur hochfährt.
- Beschleunigter Puls und schnellere AtmungAnhaltend schnelle Atmung hat allerdings auch andere Ursachen, was dahinterstecken kann, steht in unserem Ratgeber Hund atmet schnell.
Keines davon ist für sich beweisend. Aber wenn zwei oder drei zusammenkommen, gehört das Thermometer geholt.
Die anderen Vitalwerte
Fieber ist nur einer von drei Werten, die im Notfall zählen. Der Fragenkatalog der Sachkundeprüfung fragt danach als „Veränderungen der Körpertemperatur, des Pulses und der Atmung“.
| Wert | Normalbereich beim erwachsenen Hund |
|---|---|
| Temperatur | 37,5 – 39,0 °C |
| Puls | 70 – 120 Schläge pro Minute |
| Atemfrequenz | 10 – 30 Atemzüge pro Minute in Ruhe |
| Kapillarfüllzeit | unter 2 Sekunden |
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Puls messen: an der Innenseite des Oberschenkels, wo die Oberschenkelarterie verläuft. Fünfzehn Sekunden zählen und mal vier nehmen. Kleine Hunde haben einen schnelleren Puls als große.
Atmung zählen: Flankenbewegungen beobachten, ohne den Hund anzufassen, er soll ruhen und nicht hecheln.
Kapillarfüllzeit: mit dem Finger kurz auf das Zahnfleisch drücken, bis es weiß wird, und zählen, wie lange es dauert, bis die Farbe zurückkommt. Über zwei Sekunden deutet auf Kreislaufprobleme hin. Blasses oder bläuliches Zahnfleisch ist immer ein Notfall. Wie du im Ernstfall weiter vorgehst, steht in unserem Ratgeber zur Ersten Hilfe beim Hund.
Was du bei Fieber tun kannst und was nicht
| Gemessener Wert | Was zu tun ist |
|---|---|
| bis 39,5 °C | Beobachten. Ruhe, Wasser bereitstellen, nach zwei bis drei Stunden erneut messen. |
| ab 39,5 °C | Tierarzt anrufen und den Verlauf schildern. Fieber ist ein Symptom, keine Krankheit, entscheidend ist die Ursache. |
| ab 41,0 °C | Sofort in die Praxis oder Klinik, auch nachts. Das ist ein Notfall. |
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Immer sofort zum Tierarzt, unabhängig vom Wert, wenn zusätzlich auftritt: Erbrechen und Durchfall über mehr als einen Tag, Atemnot, blasses Zahnfleisch, Krämpfe, Blut im Kot oder Urin, ein aufgeblähter harter Bauch, oder wenn ein Welpe betroffen ist.
Was du unterstützend tun kannst
Kühle, feuchte Tücher an die Innenseiten der Hinterläufe und an die Pfoten legen. Frisches Wasser bereitstellen. Für Ruhe sorgen.
Was du auf keinen Fall tun darfst
Keine Schmerz- oder Fiebermittel aus der Hausapotheke: Paracetamol und Ibuprofen sind für Hunde giftig, Aspirin ebenfalls gefährlich, schon eine Tablette kann tödlich sein. Nicht mit kaltem Wasser übergießen, der plötzliche Temperatursturz führt zu Kreislaufversagen. Und Fieber nie auf eigene Faust senken, es ist eine Abwehrreaktion, wer sie unterdrückt, verschleiert das eigentliche Problem.
Häufige Ursachen für Fieber
- InfektionenViren, Bakterien oder Parasiten sind die häufigste Ursache, von der harmlosen Erkältung bis zu Staupe und Parvovirose. Genau davor schützen die Impfungen, die auch im Prüfungskatalog abgefragt werden.
- EntzündungenNach Verletzungen, Bisswunden oder Operationen. Eine Bissverletzung, die oberflächlich klein aussieht, kann in der Tiefe erheblich sein.
- Zeckenübertragene ErkrankungenBorreliose, Anaplasmose und Babesiose gehen typischerweise mit Fieber einher, bei Babesiose kann es dramatisch verlaufen. Mehr dazu unter Zeckenschutz für Hunde.
- HitzschlagHier steigt die Temperatur nicht durch Krankheit, sondern durch äußere Wärme. Der Unterschied ist wichtig: Beim Hitzschlag muss aktiv gekühlt werden, und zwar sofort. Ein Hund im aufgeheizten Auto kann innerhalb einer halben Stunde sterben.
- ImpfreaktionenLeicht erhöhte Temperatur ein bis zwei Tage nach einer Impfung ist normal und harmlos.
Häufige Fragen zu Fieber beim Hund
Ab wann hat ein Hund Fieber?
Die normale Temperatur eines erwachsenen Hundes liegt zwischen 37,5 und 39,0 Grad. Ab 39,5 Grad spricht man von Fieber, ab 41,0 Grad ist es lebensbedrohlich.
Wie misst man Fieber beim Hund?
Rektal mit einem digitalen Fieberthermometer, die Spitze mit Gleitgel eingefettet, etwa zwei bis drei Zentimeter tief. Ohrthermometer sind bei Hunden unzuverlässig.
Kann ich an der Nase erkennen, ob mein Hund Fieber hat?
Nein. Eine feuchte oder trockene Nase sagt über die Körpertemperatur nichts aus. Ein fiebernder Hund kann eine feuchte Nase haben und umgekehrt.
Welche Temperatur ist bei einem Welpen normal?
Welpen liegen mit 38,5 bis 39,5 Grad höher als erwachsene Hunde. Bei ihnen gilt schon eine leichte Abweichung als Grund für einen Tierarztbesuch.
Darf ich meinem Hund ein Fiebermittel geben?
Nein. Paracetamol und Ibuprofen sind für Hunde giftig, Aspirin ist gefährlich. Fiebersenkende Mittel gehören ausschließlich in tierärztliche Hand.
Wie kann ich Fieber beim Hund senken?
Unterstützend mit kühlen, feuchten Tüchern an Pfoten und Innenseiten der Hinterläufe, dazu Ruhe und frisches Wasser. Niemals kaltes Wasser übergießen. Ab 39,5 Grad gehört die Ursache tierärztlich abgeklärt.
Was bedeutet Untertemperatur beim Hund?
Werte unter 37,5 Grad deuten auf Kreislaufversagen, Schock oder Vergiftung hin. Das ist genauso ein Notfall wie hohes Fieber.
Der wichtigste Satz zum Mitnehmen
Miss einmal, wenn dein Hund gesund ist. Dann kennst du seinen Normalwert, und im Ernstfall musst du weder das Thermometer suchen noch raten, ob 39,2 Grad viel sind. Wie das Thema in der Sachkundeprüfung abgefragt wird, steht in der Kategorie Gesundheit: dort sind die zehn offiziellen Fragen mit einer Tabelle aller Normalwerte.
Stand: 2. August 2026. Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Fieber ab 39,5 °C, bei Welpen und bei zusätzlichen Symptomen gehört der Hund in tierärztliche Behandlung. Von Jürgen Lammers, mehr über mich.