Erste Hilfe beim Hunde, richtig handeln im Notfall und Ernstfall

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Was Erste Hilfe beim Hund eigentlich bedeutet

Erste Hilfe zu leisten bedeutet nicht, dass du dem Hund tierärztlich helfen sollst. Das wäre auch unfair, das hat niemand von dir gelernt. Es bedeutet, dass du die ersten Minuten überbrückst, bis tierärztliche Hilfe eintrifft oder ihr beim Tierarzt seid. Du stabilisierst, du verhinderst Schlimmeres, du gewinnst Zeit.

Die wichtigste Regel davor: Ruhe bewahren. Klingt banal, ist aber alles. Hunde spüren Panik sofort und verlieren dann selbst die Kontrolle. Atme einmal tief durch, sprich mit ruhiger Stimme, und dann gehst du strukturiert vor.

Vitalzeichen prüfen, in unter 60 Sekunden

Bevor du irgendeine Erste-Hilfe-Maßnahme startest, prüfst du, in welchem Zustand dein Hund ist. Vier Dinge musst du checken, und zwar in dieser Reihenfolge.

Bewusstsein: Sprich ihn an, berühre ihn vorsichtig. Reagiert er? Ist der Hund bei Bewusstsein, kannst du ihn beruhigen. Bei Bewusstlosigkeit gilt sofortige Klinikfahrt.

Atmung: Schau auf seinen Brustkorb. Atmet der Hund noch, also hebt und senkt sich seine Brust? Ein gesunder Hund atmet zwischen 10 und 30 Mal pro Minute, je nach Größe und Aktivität.

Puls: Den fühlst du am besten an der Innenseite des Oberschenkels, oben in der Leiste. Du suchst die Schenkelarterie. Ein normaler Puls liegt bei 70 bis 140 Schlägen pro Minute. Kleine Hunde schneller, große langsamer.

Schleimhäute: Öffne vorsichtig sein Maul und schau aufs Zahnfleisch. Es sollte rosa sein. Blass, weiß, blau oder grau ist ein klares Alarmsignal und bedeutet sofort einen Tierarzt aufsuchen.

Diese vier Checks sagen dir, wie schlimm es wirklich ist. Und sie helfen dem Tierarzt am Telefon, die Lage einzuschätzen.

Wiederbelebung bei Atem- oder Herzstillstand

Bei Atem- oder Herzstillstand musst du selbst eingreifen. Hier ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung, die jeder Hundebesitzer kennen sollte.

Leg deinen Hund vorsichtig auf die rechte Seite. Das Herz liegt links, also muss diese Seite oben sein. Strecke seinen Hals durch, damit die Atemwege frei sind, und zieh die Zunge nach vorne aus dem Maul. Falls ein Fremdkörper im Rachen sichtbar ist, entferne ihn vorsichtig mit den Fingern.

Für die Herzdruckmassage knietest du dich hinter den Hund und legst beide Hände direkt hinter dem Ellenbogen des Vorderbeins auf den Brustkorb. Bei großen Hunden über Kreuz, bei kleinen Hunden umfasst du den Brustkorb mit einer Hand.

Dann drückst du. Schnell, kräftig, ungefähr 100 bis 120 Mal pro Minute. Der Brustkorb soll sich dabei zu einem Drittel eindrücken. Nach 30 Kompressionen folgen zwei Atemstöße als Beatmung. Dafür hältst du die Schnauze zu, legst deinen Mund über die Nase des Hundes und bläst zwei Mal kurz hinein, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt.

Dann wieder 30 Kompressionen, zwei Atemstöße, und so weiter. Mach die Wiederbelebung, bis der Hund wieder atmet oder bis tierärztliche Hilfe eintrifft. Aufgeben ist keine Option, auch wenn sich erstmal nichts tut.

Eine ausführliche Anleitung mit Bildern findest du beispielsweise bei der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover oder bei den Johannitern.

Bewusstloser Hund, stabile Seitenlage und Transport

Ist dein Hund bewusstlos, atmet aber noch, bring ihn in die stabile Seitenlage. Er liegt dabei auf der Seite, der Kopf wird leicht gestreckt, die Zunge ragt nach vorne. So bleiben die Atemwege frei, und Erbrochenes kann ablaufen.

Für den Transport hebst du den Hund vorsichtig hoch, möglichst zu zweit. Eine Decke als improvisierte Trage funktioniert bei mittelgroßen und großen Hunden am besten. Halt den Kopf in einer Linie mit der Wirbelsäule und ruf die Klinik vorher an, damit dort alles vorbereitet ist.

Eine starke Blutung sieht immer schlimmer aus, als sie meistens ist. Trotzdem musst du sie stoppen, sonst verliert dein Hund Blut und damit Stabilität.

Nimm eine sterile Kompresse, eine Mullbinde oder im Notfall ein Stück deines T-Shirts. Drück fest auf die verletzte Stelle und halte den Druck mindestens fünf Minuten. Nicht zwischendurch lupfen, um zu schauen, ob die Blutung schon aufgehört hat. Das reißt die Gerinnung wieder auf.

Wenn die Blutung an einem Bein ist, kannst du es zusätzlich hochlagern. Das reduziert den Druck auf die Wunde. Wenn die Blutung steht, legst du einen lockeren Druckverband an. Saubere Mullbinde, fest, aber so, dass du noch einen Finger drunterschieben kannst. Dann ab zum Tierarzt oder einer Tierklinik.

Eines aber nie machen: keine Abbindungen mit Schnüren oder Gummibändern, außer du bist wirklich geschult dafür. Falsch gemacht stirbt das Gewebe darunter ab, und du machst es schlimmer.

Vergiftung erkennen und richtig reagieren

Vergiftungen sind tückisch, weil die Symptome oft erst nach Stunden kommen. Typische Anzeichen sind starkes Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Zittern, Krämpfe, Atemnot oder plötzliche Schwäche.

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Hund etwas Giftiges gefressen hat, ruf sofort den Tierarzt an. Beschreib genau, was er aufgenommen hat, wann und wie viel. Wenn du die Verpackung oder die Pflanze findest, nimm sie mit.

Was du auf keinen Fall machen solltest: deinen Hund zum Erbrechen bringen. Bei manchen Giften, etwa bei Säuren, Laugen oder Schaumbildnern, richtet das Erbrechen mehr Schaden an als das Gift selbst. Auch Milch oder Öl gehören nicht in den Hund. Sie beschleunigen die Aufnahme bestimmter Giftstoffe.

Wenn dein Hund bewusstlos ist, leg ihn in die stabile Seitenlage und dreh den Kopf so, dass Erbrochenes herauslaufen kann. Dann ab in die Klinik. Eine gute Übersicht zu typischen Vergiftungen findest du beim Bundestierärzteverband.

Magendrehung, der akute Notfall

Die Magendrehung ist eine der wenigen Situationen, bei denen du keine Minute verlieren darfst. Unbehandelt stirbt der Hund innerhalb von zwei bis sechs Stunden, sie ist immer lebensbedrohlich.

Du erkennst sie an einem deutlich aufgeblähten Bauch, der sich hart anfühlt. Der Hund würgt, bringt aber nichts heraus, läuft unruhig herum, kann sich nicht hinlegen, speichelt stark. Im fortgeschrittenen Stadium kommen Apathie, blasse Schleimhäute und ein schneller, schwacher Puls dazu.

Bei diesem Verdacht gibt es nur eine richtige Sofortmaßnahme. Sofort in die nächste Tierklinik, am besten mit Voranmeldung. Gib dem Hund weder Wasser noch Futter, keine Hausmittel, keine Medikamente. Versuch nicht, etwas selbst zu machen, das geht in 100 Prozent der Fälle schief.

Eine akute Magendrehung ist immer ein chirurgischer Notfall, und nur eine schnelle OP rettet das Leben. Besonders große Rassen mit tiefem Brustkorb sind gefährdet, also kenn die Symptome, wenn du so einen Hund hast.

Hitzschlag, der unterschätzte Sommerkiller

Ein Hund im überhitzten Auto, eine Wanderung in der Mittagshitze, eine Joggingrunde bei 30 Grad, das reicht. Hunde schwitzen nicht über die Haut, sondern hecheln. Wenn das nicht mehr reicht, kippt das System.

Symptome sind extremes Hecheln, dunkelrote oder bläuliche Zunge, taumelnder Gang, Erbrechen und im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit. Ab einer Körpertemperatur von 41 Grad wird es lebensbedrohlich.

Wenn das passiert, bring den Hund sofort in den Schatten oder in einen kühlen Raum. Kühl ihn langsam mit lauwarmem, nicht eiskaltem Wasser, vor allem an Bauch, Pfoten und Innenschenkeln. Eiskaltes Wasser direkt auf den Körper verengt die Gefäße und macht es schlimmer. Biete Wasser an, aber zwing ihn nicht. Dann ab zum Tierarzt, auch wenn er sich erholt zu haben scheint. Innere Schäden zeigen sich oft erst Stunden später.

Weitere typische Notfälle

Homöopathie beim Hund wann macht man das?

Nicht jeder Notfall ist Reanimation oder Magendrehung. Diese Situationen begegnen dir im Alltag häufiger.

Knochenbruch: Ein gebrochenes Bein erkennst du an Schonhaltung, geschwollener Stelle oder einer ungewöhnlichen Achse. Beweg den Hund so wenig wie möglich, fixiere das Bein nicht selbst, sondern lager den Hund stabil und fahr ihn vorsichtig zur Klinik.

Bissverletzungen beim Hund: Nach einer Beißerei mit einem fremden Hund sehen viele Wunden harmlos aus, sind aber tief und entzünden sich schnell. Erste Hilfe heißt hier: Blutung stoppen, Wunde nicht zunähen, Hund sofort zum Tierarzt. Bei Bissen am eigenen Hund immer auch innere Verletzungen checken lassen.

Fremdkörper: Ob ein Stück Stock im Maul, ein Grasstück im Hals oder ein Spielzeug verschluckt, Fremdkörper sind häufig. Sichtbare Stücke vorsichtig herausziehen, wenn der Hund das zulässt. Steckt etwas tief, niemals mit Gewalt rausholen, sondern direkt zum Tierarzt.

Zecken: Kein Notfall, aber wichtig. Mit einer Zeckenzange direkt an der Haut packen, gerade rausziehen, nicht drehen und nicht quetschen.

Das richtige Erste-Hilfe-Set für deinen Hund

Du brauchst kein 80-teiliges Profi-Set für 200 Euro. Mit ein paar Basics, die in eine kleine Box passen, bist du für die meisten Erste-Hilfe-Maßnahmen am Hund gewappnet.

Reingehören:

  • Sterile Mullbinden und selbsthaftende Verbände
  • Sterile Kompressen für Druckverbände
  • Wundauflage, am besten nicht klebend
  • Eine stumpfe Verbandschere
  • Eine Pinzette und eine Zeckenzange
  • Einmalhandschuhe
  • Ein digitales Fieberthermometer
  • Eine Rettungsdecke, das ist die silberne Folie aus dem Autoverbandkasten
  • Kohletabletten, aber nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt einsetzen
  • Ein Maulkorb oder ein Stück Stoff für eine Schnauzschlaufe. Hunde beißen aus Schmerz, auch ihre eigenen Menschen.
  • Die Telefonnummern deines Tierarztes, einer Tierklinik mit Notdienst und der Giftnotrufzentrale, ausgedruckt und sichtbar

Dieses Erste-Hilfe-Set gehört ins Auto, eine kleinere Variante in den Wanderrucksack. Im Ernstfall hast du keine Zeit, alles zusammenzusuchen.

Wann es wirklich ein Notfall ist

Homöopathie beim Hund und was man tun muss?

Nicht jede Verletzung ist eine lebensbedrohliche Situation, aber bei diesen Anzeichen solltest du sofort einen Tierarzt oder eine Tierklinik anfahren, ohne zu zögern:

  • Atemnot oder ausgesetzte Atmung
  • Bewusstlosigkeit
  • Krämpfe oder Bewusstseinsstörungen
  • Starke, nicht stoppbare Blutung
  • Bauch hart und aufgebläht, mit erfolglosem Würgen
  • Verdacht auf Vergiftung
  • Verletzungen nach Unfällen, auch wenn äußerlich nichts zu sehen ist
  • Plötzliche Lähmungen oder Schwäche
  • Kollaps bei großer Hitze
  • Verdacht auf Knochenbruch oder schwere Bissverletzungen

Bei diesen Symptomen gilt: Lieber einmal zu oft anrufen als einmal zu spät.

Was du heute noch tun kannst

Ein Erste-Hilfe-Kurs für Hundebesitzer dauert wenige Stunden und ist eine der besten Investitionen für dein Bauchgefühl. Du übst Wiederbelebung, Druckverband anlegen, Notfall-Lagerung und richtig handeln im Ernstfall. Vor allem verlierst du die Angst vor dem Moment, in dem es darauf ankommt. Tierärzte, Tierheilpraktiker und Organisationen wie die Johanniter bieten solche Kurse regelmäßig an.

Speicher dir außerdem heute noch die Nummer der nächsten Tierklinik im Handy ein, am besten als Favorit. Wenn es passiert, suchst du nicht erst lange.

Du musst kein Tierarzt sein, um deinem Hund das Leben zu retten. Du musst nur wissen, was in den ersten Minuten zählt. Und genau das weißt du jetzt.

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