Gesundheit · Vorsorge

Impfungen beim Hund: Welche wirklich nötig sind und welche nicht

Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose und Tollwut gehören zum Pflichtprogramm, Leptospirose kommt in Deutschland praktisch immer dazu. Und die Tollwutimpfung ist bei uns keine gesetzliche Pflicht, auch wenn fast jeder das Gegenteil annimmt.

Du sitzt in der Tierarztpraxis, der Hund liegt dir auf den Füßen, und auf dem Tisch liegt ein Impfpass mit einem Aufkleber, den du nicht entziffern kannst. „SHPPi+L, dazu Tollwut“, sagt die Tierärztin. Du nickst.

Auf dem Heimweg fällt dir ein, dass du eigentlich keine Ahnung hast, wogegen dein Hund gerade geimpft wurde. Und ob das alles nötig war.

Die Tollwutimpfung ist in Deutschland keine Pflicht

Das überrascht fast jeden. Es gibt in Deutschland keine allgemeine gesetzliche Impfpflicht gegen Tollwut für Hunde. Du machst dich nicht strafbar, wenn dein Hund ohne Impfung lebt.

Trotzdem lassen fast alle impfen, und das aus zwei sehr guten Gründen.

Tollwut ist eine Zoonose

Grund eins

Sie geht auf Menschen über. Gelangt der Speichel eines erkrankten Tieres über einen Biss in den Körper, infiziert sich auch ein Mensch. Und Tollwut verläuft, sobald Symptome auftreten, praktisch immer tödlich. Deutschland gilt seit 2008 als frei von klassischer Tollwut bei Landtieren, bei Fledermäusen kommt sie weiterhin vor, wie das nationale Referenzlabor für Tollwut am Friedrich-Loeffler-Institut ausweist.

Der geimpfte Hund steht besser da

Grund zwei

Ohne gültige Tollwutimpfung reist du mit deinem Hund nicht ins EU-Ausland. Und wenn dein Hund jemals in einen Beißvorfall gerät oder Kontakt zu einem verdächtigen Wildtier hatte, steht ein geimpfter Hund rechtlich deutlich besser da. Bei einem ungeimpften Tier droht im schlimmsten Fall eine mehrmonatige behördliche Absonderung.

Genau diese beiden Punkte wertet der Prüfungskatalog als richtig.

Das steht dazu in der Sachkundeprüfung

Frage 40 aus dem Themengebiet Krankheiten

Warum ist es wichtig, seinen Hund regelmäßig gegen Tollwut impfen zu lassen?

  • A) Die Tollwutimpfung ist gesetzlich vorgeschrieben.
  • B) Tollwut ist eine Infektionskrankheit, mit der sich auch Menschen infizieren können.
  • C) Eine Tollwutimpfung ist überflüssig. Tollwut kommt in Deutschland überhaupt nicht mehr vor.
  • D) Tollwutgeimpfte Hunde stehen gesetzlich besser da als ungeimpfte. Weiterhin ist sie für eine Reise ins Ausland notwendig.

Richtig sind B und D. Antwort A klingt plausibel und ist trotzdem falsch, sie ist der häufigste Fehler bei dieser Frage. Antwort C scheidet aus, weil Tollwut bei Fledermäusen weiterhin vorkommt. Die zehn Fragen dieses Gebiets stehen unter Krankheiten, üben kannst du sie in den Lektionen mit allen 197 Prüfungsfragen.

Gib das Geburtsdatum deines Hundes ein und du siehst, welche Impfung wann fällig ist und welche davon zum Pflichtprogramm gehört.

Impfplan-Rechner

Gib das Geburtsdatum ein. Du siehst, welche Impfung wann fällig war oder wird, was Pflichtprogramm ist und was vom Risiko abhängt.

Noch kein Geburtsdatum eingetragen

Sobald du das Datum einträgst, stehen hier alle Impftermine deines Hundes mit Datum, dazu die Hinweise, die zu seinem Alltag passen.

Pflichtprogramm und Kür

Fachleute teilen Impfungen in zwei Gruppen ein. Die eine heißt Core, das sind die Impfungen, die jeder Hund bekommen sollte, unabhängig davon, wo und wie er lebt. Die andere heißt Non-Core und richtet sich nach dem tatsächlichen Risiko. Diese Einteilung stammt von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut, an der sich die Tierarztpraxen in Deutschland orientieren.

ImpfungKürzelGruppeWiederholung
StaupeS oder DCorealle 3 Jahre
Hepatitis contagiosa canisHCorealle 3 Jahre
ParvovirosePCorealle 3 Jahre
TollwutTCorealle 2 bis 3 Jahre
LeptospiroseLNon-Core, fast überall empfohlenjährlich
Zwingerhusten (Parainfluenza, Bordetella)Pi, BNon-Corejährlich, je nach Kontakt
BorrelioseNon-Corejährlich, umstritten
LeishmanioseNon-Corenur bei Reisen in den Süden

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →

Das Kürzel auf dem Aufkleber ergibt jetzt Sinn. SHPPi+L bedeutet Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Parainfluenza und Leptospirose in einer Spritze.

Warum Leptospirose eine Sonderrolle spielt

Leptospirose steht formal bei den Non-Core-Impfungen, wird in Deutschland aber praktisch jedem Hund empfohlen. Der Erreger wird über den Urin von Ratten und Mäusen ausgeschieden und überlebt in Pfützen, Tümpeln und stehenden Gewässern. Jeder Hund, der draußen aus einer Pfütze trinkt, hat damit Kontakt. Das ist praktisch jeder Hund.

Leptospirose ist die zweite Zoonose in dieser Liste. Auch Menschen erkranken daran. Deshalb tauchen Tollwut und Leptospirose im Prüfungskatalog gemeinsam auf, in Frage 144. Der Nachteil der Impfung: Der Schutz hält nur etwa ein Jahr. Das ist der Grund, warum dein Hund jährlich zur Impfung muss, obwohl die anderen Komponenten drei Jahre halten.

Der Impfplan für den Welpen

Ein Welpe kommt mit Antikörpern der Mutter zur Welt. Die schützen ihn in den ersten Lebenswochen, blockieren aber gleichzeitig die Impfung. Wann genau dieser Schutz nachlässt, ist von Welpe zu Welpe verschieden, und niemand sagt es vorher.

Zwölf Wochen alter Welpe erkundet einen Garten während der Grundimmunisierung

Deshalb wird nicht einmal geimpft, sondern mehrfach. Das Zeitfenster, in dem der mütterliche Schutz weg ist und der eigene noch nicht da ist, trifft man nicht durch Timing, sondern durch Wiederholung.

AlterWas geimpft wird
8 WochenStaupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose
12 Wochendieselben plus Tollwut
16 Wochendieselben
15 MonateAuffrischung aller Komponenten
danachLeptospirose jährlich, Rest alle 3 Jahre

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →

Diese Abfolge steht so auch im Prüfungskatalog, in Frage 180: drei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen mit etwa acht, zwölf und sechzehn Lebenswochen, danach die Impfung nach einem Jahr.

Ein Punkt, der oft untergeht: Vor Abschluss der Grundimmunisierung ist der Welpe nicht sicher geschützt. Sperr ihn deshalb trotzdem nicht zu Hause ein. Die Sozialisationsphase endet etwa in der 16. Lebenswoche, und was der Welpe in dieser Zeit kennenlernt, prägt ihn dauerhaft. Der übliche Kompromiss lautet: Kontakt zu gesunden, geimpften Hunden ja, Hundewiese und Auslaufflächen mit unbekannten Hunden noch nicht. Was in dieser Phase sonst zählt, fragt das Prüfungsgebiet Aufzucht mit zehn eigenen Fragen ab.

Muss es wirklich jedes Jahr sein?

Nein, und das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert.

Für Staupe, Hepatitis und Parvovirose gilt heute ein Abstand von drei Jahren als ausreichend. Wer früher jährlich geimpft hat, hat also mehr geimpft als nötig.

Wenn du wissen willst, ob dein Hund überhaupt noch Schutz hat, gibt es einen Weg: die Titerbestimmung. Dabei wird im Blut gemessen, wie viele Antikörper vorhanden sind. Liegt der Wert hoch genug, schiebst du die Impfung.

Besonders sinnvoll ist der Titer bei älteren Hunden, bei Hunden mit chronischen Erkrankungen und nach einer früheren Impfreaktion. Für Tollwut hilft ein Titer allerdings nicht weiter, dort zählt für Reisen ausschließlich der Eintrag im Heimtierausweis.

Was eine Impfung kostet

Die Preise richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte und schwanken regional, Hintergründe dazu erklärt die Bundestierärztekammer. Als grobe Orientierung:

Leistungungefähre Spanne
Kombinationsimpfung SHPPi+L40 bis 70 €
Tollwut einzeln30 bis 50 €
Grundimmunisierung komplett (Welpe, 3 Termine)150 bis 250 €
Titerbestimmung50 bis 100 €

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →

Dazu kommt die Allgemeinuntersuchung, die vor jeder Impfung stattfindet. Die ist kein Aufschlag, sondern der eigentliche Nutzen des Termins: Einmal im Jahr schaut jemand mit Sachverstand den ganzen Hund an.

Nebenwirkungen und wann du anrufen solltest

Die meisten Hunde merken von einer Impfung nichts. Ein Teil ist am Impftag müde, manche haben eine leichte Schwellung an der Einstichstelle oder erhöhte Temperatur. Das legt sich in ein bis zwei Tagen.

  • Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall
  • Schwellungen im Gesicht
  • Starke Apathie über mehr als 24 Stunden
  • Eine Schwellung an der Einstichstelle, die nach zwei Wochen noch da ist

Damit die Impfung überhaupt greift, muss der Hund gesund sein. Ein Hund mit Fieber wird nicht geimpft. Wie du das zuverlässig feststellst, steht unter Fieber beim Hund. Bei einem frischen Wurmbefall wird oft erst entwurmt und dann geimpft.

Impfungen und Reisen

Sobald es über die Grenze geht, wird aus der Empfehlung eine Vorschrift.

Aufgeschlagener EU-Heimtierausweis mit Impfeinträgen auf einem Holztisch

Für Reisen innerhalb der EU brauchst du einen EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung. Die Reihenfolge ist bindend: erst chippen, dann impfen. Eine Impfung, die vor dem Chip eingetragen wurde, gilt nicht. Die verbindlichen Fristen stehen beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Zwischen Impfung und Einreise müssen mindestens 21 Tage liegen. Geimpft werden darf frühestens mit zwölf Wochen. Ein Welpe überquert die Grenze damit frühestens mit 15 Wochen legal. Wenn dir jemand einen jüngeren Welpen aus dem Ausland anbietet, stimmt etwas nicht.

Manche Länder verlangen zusätzlich eine Bandwurmbehandlung oder einen Tollwut-Titertest. Prüf das rechtzeitig, ein Titertest braucht Vorlauf von mehreren Monaten. Welche zusätzlichen Risiken im Süden warten, steht im Artikel Hunde aus Süd- und Osteuropa. Nach der Einreise gilt in Nordrhein-Westfalen dieselbe Anmeldepflicht wie für jeden anderen Hund, siehe Hund anmelden.

Häufige Fragen zu Impfungen beim Hund

Ist die Tollwutimpfung in Deutschland Pflicht?

Nein. Es gibt keine allgemeine gesetzliche Impfpflicht. Für Reisen ins EU-Ausland ist sie zwingend, und im Fall eines Beißvorfalls oder Kontakts mit einem tollwutverdächtigen Tier ist ein geimpfter Hund deutlich besser gestellt.

Welche Impfungen braucht jeder Hund?

Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Parvovirose und Tollwut. Leptospirose kommt in Deutschland praktisch immer dazu.

Wie oft muss mein Hund geimpft werden?

Leptospirose jährlich, Staupe, Hepatitis und Parvovirose alle drei Jahre, Tollwut je nach Präparat alle zwei bis drei Jahre.

Was ist ein Impftiter und lohnt er sich?

Eine Blutuntersuchung, die misst, wie viel Impfschutz noch da ist. Sinnvoll bei alten oder vorerkrankten Hunden und nach früheren Impfreaktionen. Für Tollwut bei Reisen ersetzt er die Impfung nicht.

Kann ich mich bei meinem Hund anstecken?

Bei Tollwut und Leptospirose grundsätzlich ja. Beide sind Zoonosen, und genau das ist der Grund, warum sie im Prüfungskatalog gemeinsam abgefragt werden.

Mein Hund war zwei Jahre nicht beim Tierarzt. Muss die Grundimmunisierung neu?

Meist nicht. In der Regel reicht eine einzelne Auffrischung. Das entscheidet die Praxis anhand des Impfpasses.

Ab welchem Alter braucht mein Hund in NRW den Sachkundenachweis?

Der hängt nicht am Alter, sondern an Größe und Rasse. Ab 40 Zentimetern Schulterhöhe oder 20 Kilogramm greift § 11 LHundG NRW, siehe Hundeführerschein NRW.

Drei Prüfungsfragen hängen an diesem Thema

Frage 40 zur Tollwut, Frage 144 zu den Zoonosen und Frage 180 zum Impfplan des Welpen. Übe sie zusammen mit den 194 anderen kostenlos, so oft du willst.

Zu den Prüfungsfragen →

Stand: 9. August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Welche Impfungen für deinen Hund sinnvoll sind, entscheidest du gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis. Von Jürgen Lammers, mehr über mich.