Maulkorbpflicht · Deutschland
Maulkorbpflicht: welche Hunde einen Maulkorb tragen müssen
In keinem Bundesland gibt es eine Maulkorbpflicht für normale Hunde. Weder Größe noch Gewicht lösen sie aus, ein Schäferhund, ein Labrador oder eine Deutsche Dogge dürfen ohne Maulkorb spazieren gehen. Ein Maulkorb ist in drei Fällen vorgeschrieben: bei Hunden, die auf der Rasseliste des Bundeslandes stehen, bei Hunden, die die Behörde nach einem Vorfall als gefährlich eingestuft hat, und in einzelnen Ländern für alle Hunde im Nahverkehr. Vier Bundesländer haben gar keine Rasseliste mehr.

Die drei Fälle, in denen ein Maulkorb Pflicht ist
Erstens: Der Hund steht auf der Rasseliste. Zwölf Bundesländer führen eine Liste von Rassen, die als gefährlich gelten. Wer einen solchen Hund hält, braucht in der Regel eine Erlaubnis, und muss den Hund in der Öffentlichkeit anleinen und mit Maulkorb führen.
Zweitens: Die Behörde hat den Hund im Einzelfall eingestuft. Das ist der Weg, der unabhängig von der Rasse funktioniert. Nach einem Biss, nach gefährlichem Anspringen oder wenn ein Hund einen anderen Hund verletzt hat, ohne selbst angegriffen worden zu sein, kann das Ordnungsamt Gefährlichkeit feststellen. Danach gelten dieselben Auflagen, für den Golden Retriever genauso wie für den Rottweiler.
Drittens: Bus, Bahn und öffentliche Gebäude. Berlin, Hamburg und Brandenburg verlangen einen Maulkorb im Nahverkehr unabhängig von der Rasse. Hamburg zusätzlich in Einkaufszentren und Fußgängerzonen.
Alles andere ist freiwillig, was nicht heißt, dass es sinnlos wäre. Dazu unten mehr.
Vier Bundesländer ohne Rasseliste
Die Rasselisten sind rechtlich umstritten, und der Trend geht in eine Richtung: weg von der Rasse, hin zum einzelnen Hund.
| Bundesland | Rasseliste | seit |
|---|---|---|
| Niedersachsen | keine | Einstufung nur im Einzelfall |
| Schleswig-Holstein | keine | keine Liste geführt |
| Thüringen | abgeschafft | 2018 |
| Mecklenburg-Vorpommern | abgeschafft | Juli 2022 |
Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →
In diesen vier Ländern begründet die Rassezugehörigkeit allein keine Gefährlichkeit. Ein Maulkorb wird nur angeordnet, wenn ein konkreter Hund auffällig geworden ist.
Niedersachsen geht dabei einen eigenen Weg: Statt einer Rasseliste verlangt das Land von allen Haltern den Hundeführerschein mit Theorie- und Praxisteil. Die Logik dahinter ist, dass nicht die Rasse über die Gefährlichkeit entscheidet, sondern die Kompetenz am anderen Ende der Leine.
Achtung beim Umzug. Ein Hund, der in Niedersachsen völlig unauffällig ist, kann beim Umzug nach Bayern in Kategorie 2 fallen und dort auflagenpflichtig werden. Die Einstufung reist nicht mit, die Regeln des neuen Wohnorts gelten ab dem ersten Tag.
Maulkorbpflicht: Karte nach Bundesland
Klick auf ein Bundesland. Du siehst, ob es eine Rasseliste gibt, wer einen Maulkorb tragen muss und ob ein Wesenstest davon befreien kann.
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Stand: 1. August 2026. Rasselisten ändern sich — Mecklenburg-Vorpommern hat seine 2022 abgeschafft, Thüringen 2018. Verbindlich ist immer die aktuelle Fassung des Landesgesetzes und die Auskunft deines Ordnungsamts.
Kartengrundlage: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, bereitgestellt über deutschlandGeoJSON, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0.
Klick auf ein Bundesland. Die Karte zeigt, ob es eine Rasseliste gibt, wer einen Maulkorb tragen muss und ob ein Wesenstest davon befreien kann.
Maulkorbpflicht in NRW: der häufigste Irrtum
Zahlreiche Ratgeberseiten schreiben, in Nordrhein-Westfalen gelte für große Hunde eine Maulkorbpflicht. Das ist falsch, und der Irrtum ist verbreitet genug, dass er hier ausdrücklich benannt gehört.
Das Landeshundegesetz NRW unterscheidet drei Gruppen:
Große Hunde nach § 11
Ab 40 Zentimetern Widerristhöhe oder 20 Kilogramm. Für sie gilt eine Anleinpflicht innerhalb bebauter Ortsteile und die Pflicht zum Sachkundenachweis. Kein Maulkorbzwang.
Gefährliche Hunde nach § 3 Abs. 2
Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier, jeweils samt Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunden. Für sie gilt nach § 5 Leinen- und Maulkorbpflicht, auch außerhalb bebauter Gebiete.
Hunde bestimmter Rassen nach § 10 Abs. 1
Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Rottweiler, Tosa Inu, samt Kreuzungen untereinander. Über den Verweis in § 10 gilt auch für sie die Maulkorbpflicht aus § 5.
Dazu kommt die Einstufung im Einzelfall nach § 3 Abs. 3, die jeden Hund treffen kann.
Wer sich auf die falsche Auskunft verlässt, kauft im besten Fall einen Maulkorb, den er nicht braucht. Im schlechteren Fall glaubt jemand, mit Maulkorb sei keine Leine nötig, und das ist es nie.
Alle Rassen der beiden NRW-Listen stehen im Detail bei dem Sachkundenachweis für Listenhunde, wo auch die Leinenpflicht gilt, steht bei der Übersicht zur Anleinpflicht, und der Sachkundenachweis nach § 11 lässt sich direkt bei den Lektionen üben.
Maulkorbpflicht in Berlin, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen
Berlin führt eine Liste mit vier Rassen: Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier samt Kreuzungen. Für sie gilt Leinen- und Maulkorbpflicht. Zusätzlich verlangt Berlin von allen Hunden einen Maulkorb im Nahverkehr und in öffentlichen Gebäuden. Wer Sachkundenachweis und Wesenstest vorlegt, kann sich von der Maulkorbpflicht befreien lassen.
Bayern arbeitet mit zwei Kategorien. Kategorie 1 gilt als unwiderleglich gefährlich, dazu zählen American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bandog, Staffordshire Bullterrier und Tosa Inu. Kategorie 2 umfasst deutlich mehr Rassen, darunter Rottweiler, Bullmastiff, Dogo Argentino und Cane Corso. Der entscheidende Unterschied: Bei Kategorie 2 kann ein Negativzeugnis nach bestandenem Wesenstest die Auflagen aufheben. Bei Kategorie 1 nicht.
Baden-Württemberg unterscheidet ebenfalls zwei Kategorien und lässt bei der zweiten den Gegenbeweis über einen Wesenstest zu.
Hessen führt neun erlaubnispflichtige Rassen, darunter Kangal, Kaukasischer Owtscharka und Rottweiler. Ein bestandener Wesenstest kann zur Befreiung von der Maulkorbpflicht führen.
Die Karte oben zeigt alle sechzehn Länder im Detail.
Muss der Hund in Bus und Bahn einen Maulkorb tragen?
Das ist die Frage, die am häufigsten kurzfristig auftaucht, meistens auf dem Bahnsteig.
Die Antwort hängt von zwei Ebenen ab. Erstens vom Landesrecht: Berlin, Hamburg und Brandenburg schreiben den Maulkorb im Nahverkehr für alle Hunde vor. Zweitens von den Beförderungsbedingungen des Verkehrsunternehmens, und die sind vom Landesrecht unabhängig.
Bei der Deutschen Bahn im Fernverkehr gilt: Hunde, die größer als eine Hauskatze sind, brauchen ein Ticket und müssen angeleint sein und einen Maulkorb tragen. Das ist keine gesetzliche Vorgabe, sondern Vertragsrecht, die Bahn darf das in ihren Beförderungsbedingungen so festlegen, und wer sich nicht daran hält, kann von der Beförderung ausgeschlossen werden.
Im regionalen Nahverkehr unterscheiden sich die Verbünde erheblich. Manche verlangen den Maulkorb generell, andere nur auf Verlangen des Personals, wieder andere gar nicht.
Praktische Konsequenz: Wer regelmäßig mit dem Hund Bahn fährt, sollte den Maulkorb dabeihaben und den Hund daran gewöhnt haben, unabhängig davon, was das Landesgesetz sagt. Die Beförderungsbedingungen des eigenen Verbunds sind einen Blick auf die Website wert.
Welcher Maulkorb taugt wofür?
Nicht jeder Maulkorb ist ein Maulkorb. Der Unterschied entscheidet darüber, ob der Hund darin sicher ist.

Der Korbmaulkorb
Aus Draht, Kunststoff oder Biothane. Die einzige Bauform, die für längeres Tragen geeignet ist. Der Hund kann das Maul öffnen, hecheln, trinken und Leckerli aufnehmen. Nur dieser Typ erfüllt die Anforderungen der Landesgesetze, die einen „das Beißen verhindernden“ Maulkorb verlangen, ohne das Tier zu beeinträchtigen.
Der Schlaufen- oder Nylonmaulkorb
Hält die Schnauze zu. Der Hund kann nicht hecheln, und weil Hunde fast ausschließlich über Hecheln Wärme abgeben, ist das bei Wärme oder Aufregung ein ernstes Risiko. Diese Bauform ist für kurze Momente beim Tierarzt gedacht, für nichts anderes. Für den Spaziergang ist sie ungeeignet und je nach Dauer ein Tierschutzproblem.
Zur Passform. Vor der Nasenspitze gehören ein bis zwei Zentimeter Luft. Der Hund muss das Maul im Korb weit öffnen können, wenn er beim Hecheln anstößt, ist der Korb zu klein. Am Nasenrücken darf nichts scheuern, dort entstehen die typischen kahlen Stellen bei schlecht sitzenden Modellen. Und der Korb muss so fest sitzen, dass der Hund ihn nicht mit den Pfoten abstreifen kann.
Bei kurznasigen Rassen wie Mops, Französischer oder Englischer Bulldogge braucht es Sondermodelle. Standardkörbe sitzen dort falsch und behindern die Atmung zusätzlich zu einer ohnehin eingeschränkten Nase.
Hund an den Maulkorb gewöhnen: in fünf Schritten
Der häufigste Fehler ist, den Maulkorb zum ersten Mal aufzusetzen, wenn er gebraucht wird, vor der Tierarztpraxis, am Bahnsteig, nach einem Vorfall. Der Hund verknüpft dann Maulkorb mit Stress, und diese Verknüpfung wieder aufzulösen dauert deutlich länger, als sie von Anfang an richtig anzulegen.
Rechne mit zwei bis vier Wochen. Übe täglich, aber nur wenige Minuten. Beende jede Einheit, solange der Hund noch entspannt ist, nicht erst, wenn er unruhig wird.

- Der Korb wird zum Futternapf.Halte den Maulkorb in der Hand, das offene Ende zum Hund, und lege ein Leckerli hinein. Der Hund steckt die Nase hinein, frisst, zieht sich zurück. Mehr passiert nicht. Kein Riemen, kein Festhalten. Wiederhole das, bis er von selbst die Nase hineinsteckt, sobald er den Korb sieht.
- Die Nase bleibt länger drin.Gib nicht ein Leckerli, sondern mehrere hintereinander durch die Gitter, während die Nase im Korb ist. Der Hund lernt: Drinbleiben lohnt sich. Steigere von einer Sekunde auf fünf, dann auf zehn. Immer noch ohne Verschluss.
- Der Riemen kommt dazu.Schließe ihn, zähle bis zwei, öffne ihn wieder und belohne. Danach Pause. Der Verschluss ist für viele Hunde der kritische Punkt, weil sie ab da nicht mehr selbst entscheiden können. Deshalb hier besonders langsam vorgehen.
- Bewegung mit Maulkorb.Setze den Korb auf und mach sofort etwas Angenehmes, ein paar Schritte gehen, ein bekanntes Signal abfragen, ein Suchspiel. Der Hund soll beschäftigt sein, statt Zeit zu haben, am Korb zu kratzen. Wenn er doch kratzt, war der vorherige Schritt zu lang.
- Alltag.Ziehe die Tragezeit hoch und übe an verschiedenen Orten. Setze den Maulkorb auch dann auf, wenn nichts Unangenehmes bevorsteht, sonst wird er zum Vorzeichen für den Tierarztbesuch.
Drei Dinge, die das Training zuverlässig ruinieren: den Korb dem Hund über die Schnauze stülpen statt ihn hineinschauen zu lassen. Zu schnell steigern. Und den Korb ausschließlich vor unangenehmen Terminen aufsetzen.
Ist ein Maulkorb Tierquälerei?
Nein, ein schlecht sitzender oder falsch eingesetzter Maulkorb schon.
Ein passender Korbmaulkorb schränkt den Hund kaum ein. Er kann hecheln, trinken, fressen und die Umgebung beschnüffeln. Was ihn tatsächlich belastet, ist ein Maulkorb, der das Hecheln verhindert, einer, der scheuert, oder einer, der ohne Vorbereitung aufgesetzt wird.
Der praktische Punkt, den viele übersehen: Ein Maulkorb ist oft die Bedingung dafür, dass ein Hund mehr Freiheit bekommt statt weniger. Ein Hund, der Fremdes vom Boden frisst, kann mit Korb ableinen, wo er sonst an der kurzen Leine bliebe. Ein unsicherer Hund kann mit Korb in Situationen mitgenommen werden, die sonst ausfallen würden. Und wer nach einem Vorfall Auflagen bekommt, behält mit einem gut trainierten Hund deutlich mehr Handlungsspielraum als jemand, dessen Hund den Korb nicht kennt.
Deshalb ist Maulkorbtraining auch für Hunde sinnvoll, die nie einen tragen müssen. Spätestens beim Tierarzt in einer Notlage zahlt es sich aus.
Häufige Fragen zur Maulkorbpflicht
Welche Hunde müssen einen Maulkorb tragen?
Hunde, die auf der Rasseliste ihres Bundeslandes stehen, und Hunde, die die Behörde nach einem Vorfall als gefährlich eingestuft hat. In Berlin, Hamburg und Brandenburg kommt ein Maulkorbzwang für alle Hunde im Nahverkehr hinzu.
Braucht mein großer Hund in NRW einen Maulkorb?
Nein. Für große Hunde nach § 11 LHundG NRW gilt nur eine Anleinpflicht innerhalb bebauter Ortsteile. Die Maulkorbpflicht nach § 5 betrifft gefährliche Hunde nach § 3 und über den Verweis die Rassen nach § 10.
Welche Bundesländer haben keine Rasseliste?
Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Thüringen hat seine Liste 2018 abgeschafft, Mecklenburg-Vorpommern im Juli 2022. Dort wird nur im Einzelfall eingestuft.
Muss der Hund in Bus und Bahn einen Maulkorb tragen?
Das hängt vom Bundesland und vom Verkehrsunternehmen ab. Berlin, Hamburg und Brandenburg schreiben es landesrechtlich vor. Unabhängig davon verlangt die Deutsche Bahn im Fernverkehr für Hunde, die größer als eine Hauskatze sind, Leine und Maulkorb über ihre Beförderungsbedingungen.
Kann ein Wesenstest von der Maulkorbpflicht befreien?
In vielen Bundesländern ja, aber nicht überall und nicht für alle Rassen. In Bayern kann ein Negativzeugnis die Auflagen für Kategorie 2 aufheben, für Kategorie 1 nicht. Berlin, Hamburg, Hessen und Baden-Württemberg kennen ebenfalls Befreiungsmöglichkeiten.
Welcher Maulkorb ist der richtige?
Ein Korbmaulkorb aus Draht, Kunststoff oder Biothane. Nur diese Bauform lässt Hecheln, Trinken und Fressen zu. Nylon- oder Schlaufenmaulkörbe halten die Schnauze zu und sind nur für sehr kurze Momente beim Tierarzt gedacht.
Wie lange dauert es, einen Hund an den Maulkorb zu gewöhnen?
Zwei bis vier Wochen bei täglich wenigen Minuten Training. Entscheidend ist, früh anzufangen und nicht erst dann, wenn der Maulkorb gebraucht wird.
Ist ein Maulkorb Tierquälerei?
Ein passender Korbmaulkorb nicht — der Hund kann darin hecheln, trinken und fressen. Problematisch sind schlecht sitzende Modelle, Bauformen, die das Hecheln verhindern, und das Aufsetzen ohne vorheriges Training.
Nächster Schritt
Der wichtigste Satz zum Schluss: Übe den Maulkorb, bevor du ihn brauchst. Ob ihn dein Bundesland vorschreibt oder nicht, irgendwann steht ein Tierarzttermin an, eine Bahnfahrt oder eine Situation, in der du froh bist, dass dein Hund den Korb kennt und ihn nicht mit Ärger verbindet.
Stand: 1. August 2026. Die Kartendaten stammen vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, bereitgestellt über deutschlandGeoJSON (Datenlizenz Deutschland, Namensnennung, Version 2.0). Weitere Quellen: recht.nrw.de (LHundG NRW), Hundegesetze und Gefahrhundeverordnungen der Länder, Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn. Rasselisten ändern sich, verbindlich ist immer die aktuelle Fassung des Landesgesetzes und die Auskunft deines Ordnungsamts. Keine Rechtsberatung. Von Jürgen Lammers.