Ausdrucksverhalten · Größtes Prüfungsgebiet

Körpersprache beim Hund: Die Signale, die fast alle übersehen

Wedeln heißt Erregung, nicht Freude. Ein Hund, der den Kopf auf den Rücken eines anderen legt, imponiert und schmust nicht. Und der unsicher drohende Hund ist gefährlicher als der sicher drohende. 17 der 197 Prüfungsfragen drehen sich um genau dieses Raster.

Zwei Hunde stehen sich auf dem Weg gegenüber. Beide wedeln. Die Halter sagen „die machen das unter sich aus“ und lassen die Leinen locker. Zehn Sekunden später kracht es.

Hinterher heißt es dann, das sei aus dem Nichts gekommen. War es nicht. Es standen mehrere Sekunden lang Zeichen im Raum, die beide übersehen haben.

Genau darum geht es hier. Nicht um Hundeflüsterei, sondern um ein paar Muster, die sich lernen lassen wie Vokabeln.

Warum das Wedeln so oft in die Irre führt

Der Schwanz ist das Erste, worauf Menschen schauen, und das Unzuverlässigste, was es gibt. Wedeln heißt Erregung. Nicht Freude. Ob die Erregung freudig, unsicher oder aggressiv ist, steht woanders.

Locker auf Rückenhöhe, breite BögenEin entspannter Hund. Das ist die Ausgangslage, gegen die du alles andere vergleichst.
Steil aufgestellt, kleine schnelle SchlägeEin hochgradig erregter Hund, der gerade imponiert. Der Gang wird dabei oft steif.
Eingeklemmt und trotzdem wedelndEin Hund, der Angst hat und beschwichtigen will. Wedeln schließt Angst nicht aus.

Deshalb funktioniert es nie, ein einzelnes Körperteil zu lesen. Du brauchst immer den ganzen Hund: Ohren, Augen, Maul, Gewichtsverteilung, Rute, dazu die Situation.

Zehn Situationen, jeweils die Körperhaltung beschrieben. Du ordnest zu, was der Hund gerade sagt. Nach jeder Antwort bekommst du die Erklärung.

Körpersprache-Quiz: Was sagt dieser Hund?

Zehn Situationen, jeweils die Körperhaltung genau beschrieben. Du ordnest zu, was der Hund gerade ausdrückt. Nach jeder Antwort bekommst du die Erklärung, so wie sie auch in der Prüfung gewertet wird.

Die Beschreibungen orientieren sich am Themengebiet Ausdrucksverhalten des Fragenkatalogs NRW. In der Prüfung siehst du Fotos statt Text, das zugrunde liegende Raster ist dasselbe.

Die vier Zustände, die du unterscheiden musst

Der Prüfungskatalog arbeitet mit einem klaren Raster. Wenn du das drin hast, ordnest du die meisten Bilder richtig zu. Die fachliche Grundlage dazu liefert die Tierärztliche Hochschule Hannover mit ihrer Verhaltensmedizin.

ZustandKörperOhrenAugenMaulRute
neutral bis aufmerksamlocker, Gewicht mittignach vorne gerichtetoffen, weichentspannt, oft leicht geöffnetmittlere Höhe, ruhig
sicher drohendgroß, nach vorne verlagertaufgerichtet, nach vornefixierend, starrLefzen kurz hochgezogen, Falten auf dem Nasenrückenhoch, steif
unsicher drohendzurückverlagert, gebeugtnach hinten angelegtweit geöffnet, Weiß sichtbarweit aufgerissen, Lefzen weit zurückgezogentief oder eingeklemmt
ängstlich unterwürfigklein, geduckt oder auf dem Rückenflach angelegtabgewendet, blinzelndLefzen waagerecht zurückgezogeneingeklemmt

Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben →

Der Unterschied zwischen sicher und unsicher drohend ist der wichtigste im ganzen Raster, und die Prüfung fragt ihn mehrfach ab. Wie Behörden diesen Unterschied bei Gefährlichkeitsbeurteilungen einordnen, erklärt der Bundesverband der beamteten Tierärzte.

Der sicher drohende Hund

Gewicht nach vorne

Er sagt sinngemäß: Geh weg, sonst mache ich Ernst. Er verlagert sein Gewicht nach vorne, die Ohren stehen aufgerichtet. Er fühlt sich stark genug und hat Handlungsspielraum, er kann sich also auch zurückziehen.

Der unsicher drohende Hund

Gewicht nach hinten

Er sagt: Komm mir nicht näher, ich habe Angst vor dir. Er lehnt sich zurück, obwohl er droht, die Ohren liegen an. Und ausgerechnet er ist der gefährlichere, denn ein Hund in der Ecke hat keinen Ausweg.

Beschwichtigung, die Sprache, die kaum jemand kennt

Das ist der Teil, der im Alltag am meisten bringt. Hunde haben ein ganzes Repertoire an Signalen, mit denen sie Spannung aus einer Situation nehmen. Sie richten sie an andere Hunde und genauso an uns. Merkblätter dazu gibt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz heraus.

Hund leckt sich über die Nase als Beschwichtigungssignal
  1. Sich über die Nase leckenEine kurze Zungenbewegung über den Nasenspiegel, oft nur den Bruchteil einer Sekunde. Das häufigste Signal überhaupt.
  2. Den Kopf abwendenDer Hund dreht den Kopf zur Seite und bricht den Blickkontakt. Bei Menschen wirkt das wie Desinteresse oder schlechtes Gewissen. Es ist weder das eine noch das andere.
  3. PfötelnDas Anheben einer Vorderpfote. Wird oft als „Pfötchen geben“ fehlgedeutet.
  4. GähnenNicht aus Müdigkeit, sondern mitten in einer angespannten Situation.
  5. Blinzeln und SchnüffelnPlötzliches, intensives Bodenschnüffeln ohne erkennbaren Anlass ist häufig ein Ausweichmanöver.
  6. Im Bogen gehenEin Hund, der einem anderen begegnet und dabei einen Bogen läuft statt frontal zu gehen, ist höflich. Genau das verhindern wir regelmäßig, wenn wir an der Leine frontal aufeinander zulaufen. Zehn eigene Prüfungsfragen dazu stehen im Themengebiet Hundebegegnungen.

Wenn du diese Signale erkennst, verändert sich dein Alltag. Du siehst dann, dass dein Hund beim Tierarzt schon im Wartezimmer anfängt zu gähnen und sich die Nase zu lecken, lange bevor er zittert.

Das steht dazu in der Sachkundeprüfung

Frage 41 aus dem Themengebiet Ausdrucksverhalten

Was bedeutet es, wenn ein Hund einem anderen den Kopf auf den Rücken legt?

  • A) Er ist unterwürfig.
  • B) Er macht eine Spielaufforderung.
  • C) Er ist müde.
  • D) Er zeigt eine Imponiergeste.

Richtig ist D. Diese Frage bringt fast alle aus dem Konzept, weil die Geste bei uns nach Zuneigung aussieht. Für den Hund ist sie das Gegenteil: Er baut sich über dem anderen auf und beansprucht Raum. Wer beim Spaziergang sieht, dass ein fremder Hund seinem den Kopf auf den Rücken legt, sollte die Situation auflösen statt sie rührend zu finden.

Ausdrucksverhalten ist mit 17 Fragen das größte Themengebiet im Katalog: zehn Fragen unter Ausdrucksverhalten von Hunden und sieben im Bilderteil. Üben kannst du sie in den Lektionen mit allen 197 Prüfungsfragen.

Drei Signale, die fast immer falsch gedeutet werden

Der fixierende Blick

Frage 51

Ein Hund, der einen anderen Hund oder einen Menschen in angespannter Körperhaltung mit dem Blick fixiert, ist nicht neugierig und findet den anderen nicht nett. Das ist offensives Drohverhalten, und es ist die letzte Stufe, bevor etwas passiert.

Das flache Liegen mit Blickkontakt

Frage 61

Ein Hund legt sich flach auf den Boden und fixiert einen entgegenkommenden Hund. Das sieht nach Unterwerfung aus, ist aber meistens eine Lauerposition. Der Angriff daraus kann spielerisch sein oder ernst. Manche Hunde stehen auch einfach auf, wenn der andere vorbei ist. Beides gilt als richtig, die Deutung „er hat Angst“ dagegen nicht.

Das Zähnezeigen

Richtung entscheidet

Nach oben und kurz, mit Falten auf dem Nasenrücken, ist eine Drohung. Waagerecht weit nach hinten gezogen, sodass viele Zähne sichtbar werden und das Maul fast wie ein Grinsen aussieht, ist Beschwichtigung oder Unterwerfung. Zwei völlig gegensätzliche Botschaften, die von außen ähnlich aussehen.

Und eines, das Menschen an sich selbst missverstehen

Kind sitzt seitlich neben einem entspannt liegenden Hund, ein Erwachsener beaufsichtigt

Blickkontakt halten gilt bei uns als höflich. Für einen fremden Hund ist ein direkter, langer Blick eine Herausforderung. Deshalb ist die typische Begrüßung eines Menschen, sich über den Hund zu beugen und ihm ins Gesicht zu schauen, aus Hundesicht ziemlich unverschämt. Für Kinder ist das der wichtigste Punkt überhaupt, und deshalb hat der Katalog dafür ein eigenes Themengebiet mit zehn Fragen: Hund und Kind.

Stress erkennen, bevor es kippt

Stress zeigt sich früher als Aggression, und wer ihn sieht, greift ein, solange es noch einfach ist.

Kurzfristig: Hecheln ohne körperliche Anstrengung und ohne Hitze. Unruhe, der Hund findet keine Position. Gähnen, Nase lecken, häufiges Blinzeln. Schuppen auf dem Fell, die vorher nicht da waren. Feuchte Pfotenabdrücke auf glattem Boden, weil Hunde über die Pfoten schwitzen.

Über längere Zeit: starkes Haaren, stumpfes Fell, Appetitverlust, vermehrtes Kratzen oder Lecken an einer Stelle, Rückzug.

Was in diesem Moment hilft, ist fast immer dasselbe: Abstand vergrößern und dem Hund die Möglichkeit geben, sich der Situation zu entziehen. Ihn hindurchzuzwingen verschärft die Lage, Trösten bestätigt sie. Raus aus dem Reiz wirkt.

Ein Hund, der dauerhaft unter Stress steht, wird auch körperlich krank. Wenn dir gleichzeitig auffällt, dass dein sonst aktiver Hund ungewöhnlich ruhig wird, gehört er in die Praxis, siehe Fieber beim Hund. Wie sich Problemverhalten systematisch angehen lässt, fragt das Themengebiet Probleme und Maßnahmen ab.

Was du im Alltag daraus machst

  1. Beim SpaziergangAchte auf den Moment, in dem dein Hund einen anderen erst sieht. Meist erstarrt er kurz. Genau dann ist Zeit für einen Bogen oder einen Richtungswechsel. Wartest du, bis er fixiert, ist der Zug abgefahren.
  2. Beim Streicheln durch FremdeWenn jemand fragt, ob er deinen Hund streicheln darf, schau dir deinen Hund an, bevor du antwortest. Kopf abgewendet, Nase lecken, ein Schritt rückwärts heißt nein.
  3. Bei KindernKinder umarmen Hunde, und Hunde mögen Umarmungen nicht. Die Beschwichtigungssignale kommen zuerst, das Knurren danach. Wer nur auf das Knurren wartet, greift zu spät ein. Und ein Hund, dem das Knurren abtrainiert wurde, überspringt die Warnstufe irgendwann ganz.
  4. Beim eigenen VerhaltenDu kannst die Signale auch senden. Kopf abwenden, seitlich stehen statt frontal, langsam blinzeln, keine direkten Blicke. Bei einem unsicheren Hund wirkt das sofort.

Wie das systematisch geübt wird, steht im Themengebiet Training, die Anforderungen an den Umgang mit dem Hund fasst das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in der Tierschutz-Hundeverordnung zusammen.

Häufige Fragen zur Körpersprache beim Hund

Bedeutet Wedeln, dass ein Hund sich freut?

Nein. Wedeln heißt Erregung. Entscheidend sind Höhe und Ausschlag: locker auf Rückenhöhe mit breitem Ausschlag ist entspannt, steil aufgestellt mit kleinen schnellen Schlägen ist hohe Erregung.

Warum knurrt mein Hund?

Knurren ist eine Warnung, und zwar eine sehr höfliche. Der Hund sagt, dass ihm etwas zu viel ist, bevor er handelt. Bestrafe es nicht. Ein Hund, der nicht mehr knurren darf, beißt ohne Ankündigung.

Zeigt mein Hund ein schlechtes Gewissen, wenn er den Kopf wegdreht?

Nein. Er reagiert auf deine Körpersprache und deinen Tonfall und versucht zu beschwichtigen. Ein Zusammenhang zur Tat, die Stunden zurückliegt, besteht nicht.

Was ist der Unterschied zwischen sicherem und unsicherem Drohen?

Der sichere Hund verlagert sein Gewicht nach vorne, die Ohren sind aufgerichtet. Der unsichere lehnt sich zurück, die Ohren liegen an. Der unsichere ist der gefährlichere, weil er sich in die Enge getrieben fühlt.

Warum legt mein Hund den Kopf auf mein Bein?

Zwischen Hunden ist das eine Imponiergeste, so steht es in Frage 41. Beim Menschen ist die Deutung offener, meist geht es um Kontakt und Nähe. Ausführlich unter Warum legt mein Hund den Kopf auf mein Bein.

Wie viele Fragen zum Ausdrucksverhalten kommen in der Prüfung?

Zehn Fragen im Themengebiet Ausdrucksverhalten und sieben im Bilderteil. Damit ist es das größte Gebiet im gesamten Katalog.

17 von 197 Fragen drehen sich um Ausdrucksverhalten

Zehn Textfragen und sieben Bildfragen, damit ist es das größte Gebiet im ganzen Katalog. Übe sie kostenlos, so oft du willst.

Zu den Prüfungsfragen →

Stand: 9. August 2026. Von Jürgen Lammers, mehr über mich.