Ausdrucksverhalten in der Sachkundeprüfung: was dich erwartet

Der Fragenkatalog der Tierärztekammer Nordrhein gilt seit dem 1. Januar 2025 und ist seit dem 1. März 2025 verbindlich. Aus 197 Fragen in 20 Themengebieten werden in der Prüfung 30 gezogen.

Ausdrucksverhalten ist der Block, auf dem alle anderen aufbauen. Wer die Signale nicht kennt, kann weder Hundebegegnungen einschätzen noch erkennen, wann einem Hund der Umgang mit Kindern zu viel wird. Deshalb gibt es dazu zwei Themengebiete: dieses hier mit Textfragen und zusätzlich Ausdrucksverhalten in Bildern mit sieben Fotofragen.

Eine Regel gilt für alles, was hier steht: Nie ein einzelnes Signal bewerten. Wedeln heißt nicht Freude, Knurren heißt nicht Angriff. Erst das Gesamtbild aus Körperhaltung, Rute, Ohren, Blick, Maul und Bewegungsrichtung ergibt eine Aussage.

Bei 8 von 10 Fragen ist mehr als eine Antwort richtig – nur zwei haben genau eine Lösung:

Richtige AntwortenAnzahl Fragen
eine2
zwei1
drei6
alle vier1
Zwei Hunde bei der Begegnung auf einer Wiese zeigen deutliche Koerpersprache

Teste dich selbst: 10 Fragen zur Körpersprache

Der Test enthält genau die Fragen, die auch in der Prüfung vorkommen können. Du kannst ihn beliebig oft wiederholen. Danach findest du unten alle Fragen noch einmal in Ruhe erklärt.

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Sachkundenachweis Hunde NRW online üben und bestehen

Ausdrucksverhalten von Hunden

Hier finden Sie den 1. Fragebogen mit Bildern zum Ausdrucksverhalten von Hunden.

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Hund liegt auf dem Rücken, Läufe angewinkelt nach oben, Bauch frei

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Hund im ruhigen Stand, Rute hängend, Ohren nach vorn, Fang geschlossen

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Kleiner Hund im Stand, Rute hoch gebogen, Ohren aufgestellt, Fang leicht geöffnet

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Hund mit tief gestellter Vorderhand, Hinterteil hoch, Rute erhoben

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Hund vorgebeugt, Fang weit geöffnet mit sichtbaren Zähnen, Nackenfell gesträubt

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Hund macht sich klein, Kopf tief, Rücken gerundet, Rute nach unten, Ohren angelegt

Fragenhinweis

Welchen Ausdruck zeigt dieser Hund?

Bildfrage zum Ausdrucksverhalten: Hund steht aufgerichtet, Rute waagerecht getragen, Ohren nach vorn gestellt, Nackenfell leicht gesträubt

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Alle 10 Prüfungsfragen zum Ausdrucksverhalten – mit Erklärung

Richtig: alle vier – A, B, C und D

  • A. Suchen nach Beute.
  • B. Hetzen.
  • C. Schütteln der Beute.
  • D. Anschleichen und Vorstehen.

Erklärung: Jagdverhalten läuft in einer festen Abfolge ab, der Jagdsequenz: Orientieren → Fixieren → Anschleichen → Hetzen → Packen → Töten (Schütteln) → Zerlegen → Fressen. Durch Zucht wurden bei den Rassen unterschiedliche Teile dieser Kette betont: Der Hütehund fixiert und hetzt, ohne zu packen. Der Vorstehhund erstarrt beim Fixieren. Der Terrier schüttelt. Deshalb ist Jagdverhalten kein Erziehungsfehler, sondern Veranlagung – man kann es kanalisieren, aber nicht abschaffen. Praktisch relevant ist besonders das Hetzen: Alles, was schnell wegläuft, kann die Sequenz auslösen – auch ein rennendes Kind oder ein Jogger.

📌 Merksatz: Jagen läuft in Stufen ab: suchen, anschleichen, hetzen, packen, schütteln.

Richtig: A, B und D

  • A. Er zeigt einen starren Blick am Gegner vorbei.
  • B. Er macht sich groß (Kopf hoch, Ohren aufgerichtet, steifer Gang, Schwanz hoch).
  • ❌ C. Er bellt und legt die Ohren an.
  • D. Er stellt den Schwanz steil auf, und vor Erregung wird oft ein schnelles Wedeln mit wenig Ausschlag gezeigt.

Erklärung: Imponieren heißt: größer wirken als man ist. Alles zeigt nach oben und außen – Kopf hoch, Ohren aufgerichtet, Rute steil, Gang steif und betont langsam, oft mit gesträubtem Nackenfell. Antwort D enthält den wichtigsten Praxishinweis des ganzen Blocks: Wedeln ist kein Freudenzeichen. Ein schnelles Wedeln mit kleinem Ausschlag bei hoch getragener Rute signalisiert Erregung und Anspannung – genau umgekehrt zum breiten, lockeren Wedeln auf Rückenhöhe. Antwort C beschreibt das Gegenteil: Angelegte Ohren gehören zu Unsicherheit, nicht zum Imponieren.

📌 Merksatz: Imponieren zeigt nach oben: Kopf, Ohren, Rute hoch, steifer Gang. Schnelles Wedeln heißt Erregung, nicht Freude.

Richtig: nur D

  • ❌ A. Er ist unterwürfig.
  • ❌ B. Er macht eine Spielaufforderung.
  • ❌ C. Er ist müde.
  • D. Er zeigt eine Imponiergeste.

Erklärung: Eine Geste, die Menschen fast immer falsch lesen – sie sieht kuschelig aus, ist aber eine deutliche Ansage: „Ich bin über dir.“ Dasselbe gilt für das Auflegen einer Pfote auf den Rücken des anderen und für das Aufreiten, das ebenfalls häufiger Imponier- als Sexualverhalten ist. Wenn ein Hund das bei einem anderen tut und der andere erstarrt oder sich wegdreht, ist die Situation angespannt – nicht niedlich.

📌 Merksatz: Kopf auf den Rücken heißt „ich bin über dir“ – eine Imponiergeste, kein Kuscheln.

Richtig: nur C

  • ❌ A. Es bedeutet, dass er den anderen gernhat.
  • ❌ B. Es ist ein harmloses Imponierverhalten.
  • C. Es ist ein offensives Drohverhalten.
  • ❌ D. Es ist ein positives Sozialverhalten.

Erklärung: Der starre Blick bei angespanntem Körper ist eine Drohung – und zwar die letzte leise Stufe vor der Eskalation. In der Hundekommunikation ist direkter, langer Blickkontakt unhöflich bis konfrontativ; höfliche Hunde schauen aneinander vorbei. Für den Alltag heißt das: Wenn dein Hund einen anderen fixiert und dabei steif wird, ist das der Moment zum Handeln – Blickkontakt unterbrechen, Abstand herstellen, weitergehen. Wer wartet, bis der Hund knurrt, hat die deutlichere Vorwarnung schon verpasst.

📌 Merksatz: Starrer Blick plus steifer Körper ist eine Drohung – der Moment zum Eingreifen.

Richtig: A und B

  • A. Er möchte vermutlich einen „Angriff“ starten. Dieser Angriff kann spielerisch oder ernst ausgerichtet sein.
  • B. Manche Hunde starten aus der Position keinen Angriff, sondern schaffen es aufzustehen, wenn der andere Hund angekommen ist, und gehen in normalen Sozialkontakt über.
  • ❌ C. Es hat gar nichts mit dem anderen Hund zu tun, sondern ist ein Zeichen von starken Bauchschmerzen.
  • ❌ D. Der liegende Hund macht sich klein, weil er Angst hat.

Erklärung: Das ist die Lauerstellung – typisch für Hütehunderassen, besonders Border Collies. Der Hund liegt flach, fixiert und wartet, bis der andere in Reichweite kommt. Die ehrliche Antwort des Katalogs ist, dass man von außen nicht sicher sagen kann, was folgt (A und B stehen bewusst nebeneinander): Manche Hunde starten daraus ein Spiel, manche eine Hetze, manche stehen einfach auf. Für die Praxis heißt das: nicht abwarten, sondern die Situation auflösen – vor allem, wenn der ankommende Hund die Lauerstellung nicht kennt und sie als Bedrohung liest.

📌 Merksatz: Flach liegen und fixieren ist Lauern – was danach kommt, ist von außen nicht vorhersehbar.

Richtig: A, B und C

  • A. Sich-über-die-Nase-Lecken.
  • B. Pföteln.
  • C. Kopf abwenden.
  • ❌ D. Einen starren Blick nach vorne.

Erklärung: Beschwichtigungssignale sind Deeskalationsangebote: „Ich will keinen Streit.“ Die wichtigsten im Überblick:

SignalWie es aussieht
Über die Nase leckenKurzes Züngeln, oft in Bruchteilen einer Sekunde
Kopf abwendenBlick und Kopf zur Seite drehen
GähnenOhne Müdigkeit, oft in angespannten Momenten
Langsames GehenBetont verlangsamte Bewegungen
Im Bogen laufenNicht frontal auf den anderen zu
PfötelnAnheben einer Vorderpfote
Schnüffeln am BodenPlötzliches „Interesse“ am Boden mitten in einer Situation
Sich kratzen oder schüttelnÜbersprungshandlung, löst Spannung
Diese Signale sind extrem kurz – wer sie sehen will, muss hinschauen. Und sie sind das Frühwarnsystem: Wenn dein Hund beim Streicheln durch ein Kind gähnt und sich über die Nase leckt, ist die Situation ihm bereits unangenehm.

📌 Merksatz: Nase lecken, Kopf abwenden, gähnen, pföteln – kurze Signale, die „kein Streit“ bedeuten.

Richtig: A, B und C

  • A. Der Hund macht sich klein und versucht zu fliehen.
  • B. Er hechelt und hat dabei den Schwanz eingeklemmt und die Ohren nach hinten gelegt.
  • C. Er ist unruhig, gähnt und leckt sich häufig über die Nase.
  • ❌ D. Er zeigt ein breites Wedeln mit dem Schwanz auf Höhe der Rückenlinie.

Erklärung: Antwort D ist die Gegenprobe zu Frage 2 und beschreibt den entspannten Hund: breites, lockeres Wedeln auf Rückenhöhe, weiche Körperhaltung. Der Unterschied zum erregten Wedeln liegt in Amplitude und Rutenhöhe – breit und mittig heißt entspannt, schnell und hoch heißt angespannt. Beim Hecheln (B) gilt: Hecheln ohne Anstrengung und ohne Wärme ist ein Stresszeichen, oft mit weit zurückgezogenen Mundwinkeln („Stressmaul“).

📌 Merksatz: Breites Wedeln auf Rückenhöhe heißt entspannt – eingeklemmte Rute und Hecheln ohne Anlass heißt Stress.

Richtig: B, C und D

  • ❌ A. Blickkontakt halten.
  • B. Sich klein machen und ducken.
  • C. Den Schwanz einziehen und die Ohren anlegen.
  • D. Harnen bei geduckter Haltung oder auf dem Rücken liegend.

Erklärung: Unterwerfung ist das Gegenstück zum Imponieren: Alles zeigt nach unten und innen – klein machen, ducken, Rute einziehen, Ohren anlegen, Blick abwenden. Das Harnen in Antwort D ist ein wichtiger Praxispunkt: Unterwürfigkeitsharnen ist keine Unsauberkeit und keine Frechheit, sondern ein Kommunikationssignal, das der Hund nicht steuern kann. Schimpfen verschlimmert es zuverlässig, weil es den Druck erhöht. Richtig ist: die Begrüßung ruhiger gestalten, sich nicht über den Hund beugen, ihn nicht ansehen und ignorieren, bis er sich gefangen hat. Mehr dazu unter Umgang und Verständnis.

📌 Merksatz: Unterwerfung zeigt nach unten: klein machen, Rute einziehen, Ohren anlegen – Harnen nie bestrafen.

Richtig: A, B und D

  • A. Er versucht zu fliehen.
  • B. Er versucht anzugreifen, wenn er nicht ausweichen kann.
  • ❌ C. Er wedelt und bettelt nach Futter.
  • D. Er pinkelt unter sich.

Erklärung: Der entscheidende Zusammenhang steckt in Antwort B: Angst und Aggression sind keine Gegensätze. Ein Hund in Angst wählt zuerst die Flucht – ist die versperrt, weil er angeleint, in der Ecke oder festgehalten ist, bleibt nur der Angriff. Das ist der Grund, warum die meisten Beißvorfälle mit ängstlichen Hunden passieren, nicht mit „aggressiven“. Die praktische Konsequenz: Einem ängstlichen Hund immer einen Fluchtweg lassen. Wer ihn in die Enge treibt, um ihn zu beruhigen, erzwingt genau die Reaktion, die er vermeiden will.

📌 Merksatz: Angst hat zwei Wege: fliehen oder kämpfen. Wer den Fluchtweg nimmt, bekommt den Kampf.

Richtig: A, B und C

  • A. Hecheln.
  • B. Unruhiges Verhalten.
  • C. Starkes Haaren und ggf. stumpfes Fell bei länger anhaltendem Stress.
  • ❌ D. Nach vorne gerichtete Ohren und Interesse an der Umwelt.

Erklärung: Antwort C ist die interessanteste, weil sie über den Moment hinausgeht: Dauerstress zeigt sich am Körper. Starkes Haaren beim Tierarztbesuch ist ein akutes Zeichen; stumpfes Fell, Schuppen, häufige Magen-Darm-Probleme oder ständiges Kratzen können auf chronische Belastung hindeuten. Das ist auch für die Prüfung relevant: Stress ist nicht nur ein Verhaltens-, sondern ein Gesundheitsthema, siehe Gesundheit.

📌 Merksatz: Akuter Stress: Hecheln und Unruhe. Dauerstress: starkes Haaren und stumpfes Fell.

Die Signale im Überblick

ZustandRuteOhrenKörperBlick
Entspanntmittig, breites Wedelnlocker, natürlichweich, gelöstweich, blinzelnd
Aufmerksamwaagerecht, ruhignach vornleicht gespanntgerichtet, aber locker
Imponierendhoch, schnelles kleines Wedelnaufgerichtetgroß gemacht, steifstarr, oft vorbei
Drohendhoch und steifnach vorn oder angelegtangespannt, nach vorn geneigtfixierend
Unsichertiefhalb angelegtgeduckt, zurückgelehntabgewandt, Weiß im Auge
Ängstlicheingeklemmtflach angelegtklein, geducktausweichend

Diese Tabelle ist der Kern der ganzen Seite. Keiner der Werte steht für sich – erst die Zeile als Ganzes ergibt den Zustand. Eine hohe Rute kann zu „imponierend“ oder zu „drohend“ gehören, entscheidend ist, was Ohren, Körper und Blick dazu sagen.

Die fünf häufigsten Missverständnisse

Was Menschen denkenWas es wirklich bedeutet
„Er wedelt, er freut sich“Wedeln zeigt Erregung. Hoch und schnell heißt Anspannung, breit und mittig heißt Freude
„Er zeigt den Bauch, er will gestreichelt werden“Oft Unterwerfung aus Unsicherheit. Streicheln verstärkt dann den Stress
„Er gähnt, er ist müde“Gähnen mitten in einer Situation ist Beschwichtigung
„Er hat ein schlechtes Gewissen“Das „schuldige Gesicht“ ist eine Reaktion auf deine Stimmung, keine Reue
„Er hört einfach nicht“Unter Stress ist der Zugriff auf Gelerntes blockiert

Die wichtigste Regel: nie ein einzelnes Signal lesen

Eine hoch getragene Rute allein sagt nichts. Erst zusammen mit steifem Gang, aufgerichteten Ohren und starrem Blick wird daraus Imponieren – zusammen mit lockerem Körper und breitem Wedeln dagegen Vorfreude. Lies immer den ganzen Hund, dazu die Situation und die Richtung, in die er sich bewegt.

Dasselbe gilt für einzelne Gesten im Umgang mit dem Menschen. Ein gutes Beispiel ist die Frage, warum Hunde den Kopf ablegen, wenn sie sich an ihre Bezugsperson anlehnen.

Hundesprache verstehen: Ratgeber zum Weiterlesen

Zu diesem Thema – einem der gefragtesten überhaupt – entstehen die ausführlichen Ratgeber gerade: zur kompletten Körpersprache, zu den Beschwichtigungssignalen und zur Frage, warum Hunde knurren. Bis dahin führen die verwandten Themen weiter: Ausdrucksverhalten in Bildern, Hundebegegnungen, Hund und Kind und Umgang und Verständnis.

Dazu gehört auch, wie ein Hund seine Umwelt überhaupt wahrnimmt, etwa die Frage, wie Hunde Farben sehen.