Hunde-Ratgeber · Gesundheit
Läufigkeit bei der Hündin: Anzeichen, Phasen und Zyklus
Läufigkeit bei der Hündin: Anzeichen, Symptome und Dauer erklärt. Wann wird eine Hündin das erste Mal läufig und was bedeutet das im Alltag?
Du findest Blutflecken auf dem Hundebett, deine Hündin schleicht enger an dir vorbei als sonst, und beim Gassigehen dreht plötzlich jeder Rüde in der Gegend durch. Das ist ein klares Zeichen, deine Hündin ist läufig. Für viele Halter, besonders beim ersten Mal, ein Moment voller Fragezeichen.
Was die Läufigkeit beim Hund eigentlich ist
Läufigkeit bei der Hündin, umgangssprachlich auch Hitze genannt, bezeichnet einen bestimmten Abschnitt im Sexualzyklus der Hündin. Der Begriff Standhitze meint dagegen nur den zweiten Teil, also die Phase, in der die Hündin einen Rüden tatsächlich duldet. Genau genommen ist es der Zeitraum, in dem der Körper der Hündin auf eine mögliche Trächtigkeit vorbereitet wird, der Follikelsprung stattfindet und sie für Rüden empfänglich ist.
Was viele nicht wissen: Im Gegensatz zum menschlichen Menstruationszyklus gibt es bei Hündinnen keine Wechseljahre. Eine unkastrierte Hündin wird ihr Leben lang läufig. Die Intervalle werden im Alter zwar etwas unregelmäßiger und weniger deutlich, aber sie hören nicht auf.
Wann wird eine Hündin läufig? Zeitpunkt der ersten Läufigkeit
Der Zeitpunkt der ersten Läufigkeit der Hündin hängt stark von der Größe des Hundes ab. Kleine Rassen kommen früher in die Pubertät als große, weil ihr Körper schlicht schneller ausgewachsen ist.
Als grobe Orientierung gilt: Die erste Läufigkeit setzt meist zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat ein. Kleine Hunderassen sind oft schon mit etwa sechs Monaten so weit, bei großen und sehr großen Rassen wie Bernhardiner oder Deutsche Dogge kann es dagegen bis ins zweite Lebensjahr dauern, in Einzelfällen bis zum vierundzwanzigsten Monat. Es gibt also Hündinnen, die mit sechs Monaten schon läufig sind, und andere, bei denen die erste Läufigkeit erst mit zwei Jahren auftritt. Beides ist normal.
Neben der Größe spielen auch der allgemeine Gesundheitszustand, der Ernährungszustand und das Umfeld eine Rolle. Bleibt die erste Läufigkeit über den vierundzwanzigsten Lebensmonat hinaus komplett aus, solltest du das tierärztlich abklären lassen.
Im Durchschnitt liegen etwa sieben Monate zwischen zwei Läufigkeiten, die normale Spanne reicht von vier bis dreizehn Monaten. Damit werden die meisten Hündinnen ungefähr eineinhalb bis zwei Mal im Jahr läufig. Bei großen Hunderassen kann es auch nur einmal im Jahr sein. Das Intervall ist sehr individuell und pendelt sich meist erst nach dem zweiten oder dritten Zyklus ein. Es lohnt sich, einen Kalender zu führen.
Die vier Phasen der Läufigkeit erklärt
Der Zyklus der Hündin besteht aus vier verschiedenen Phasen. Wenn von Läufigkeit bei Hündinnen gesprochen wird, meinen die meisten damit die ersten beiden, also Proöstrus und Östrus zusammen. Der gesamte Sexualzyklus läuft aber über mehrere Monate.
Proöstrus (Vorbrunst): Erste Anzeichen der Läufigkeit
Die Vorbrunst dauert im Durchschnitt neun Tage, kann aber je nach Hündin zwischen drei und siebzehn Tagen liegen. Die Vulva der Hündin beginnt anzuschwellen und es setzt eine Blutung mit rötlichem Scheidenausfluss ein, mal stärker, mal kaum sichtbar, weil manche Hündinnen sich sehr sorgfältig selbst reinigen.
Obwohl die Hündin in dieser Phase für Rüden schon hochinteressant riecht, ist sie noch nicht deckbereit und lässt in aller Regel keinen Deckakt zu. Trotzdem darfst du die Vorbrunst nicht als sichere Phase betrachten. Spermien bleiben im Körper der Hündin vier bis sieben Tage befruchtungsfähig, ein Deckakt gegen Ende der Vorbrunst kann also durchaus zu einer Trächtigkeit führen. Vorsicht ist deshalb ab dem ersten Bluttropfen angebracht, nicht erst in der Standhitze. Das Verhalten von Rüden verändert sich bereits deutlich, die Hündin hingegen weist sie in dieser Phase oft noch aktiv ab.
Östrus (Brunst / Standhitze): Die fruchtbare Phase der Läufigkeit
Das ist die Phase, in der du wirklich aufpassen musst, wenn du keine ungewollte Trächtigkeit möchtest. Der Östrus dauert ebenfalls etwa neun Tage, kann aber zwischen drei und einundzwanzig Tagen variieren. Der Ausfluss wird heller und wässriger, die Schwellung der Vulva geht etwas zurück. Die Hündin ist jetzt deckbereit, weicht Rüden nicht mehr aus und dreht beim Aufeinandertreffen sogar aktiv die Rute zur Seite.
Der Follikelsprung aus den Eierstöcken findet innerhalb dieser Phase statt. Wann genau, lässt sich von außen nicht zuverlässig bestimmen. Wer den genauen fruchtbaren Zeitpunkt kennen muss, zum Beispiel für eine geplante Verpaarung, lässt beim Tierarzt den Progesteronwert im Blut bestimmen, in der Regel alle zwei bis drei Tage. Ein Scheidenabstrich und die Untersuchung der Scheide werden ergänzend genutzt, für sich allein können sie den Eisprung aber nicht zuverlässig bestimmen.
Metöstrus (Nachbrunst): Der lange Abklang
Der Metöstrus wird von den meisten Haltern kaum bewusst wahrgenommen, weil die sichtbaren Symptome verschwunden sind. Hormonell ist jedoch noch viel los. Bei einer nicht tragenden Hündin dauert diese Phase etwa sechzig bis neunzig Tage, bei einer tragenden endet sie mit der Geburt nach rund neun Wochen. Das Besondere daran: Der Hormonverlauf ist in den ersten Wochen praktisch identisch, egal ob die Hündin gedeckt wurde oder nicht. Der Progesteronspiegel bleibt erhöht und die Gelbkörper in den Eierstöcken sind weiter aktiv, was in dieser Zeit unter anderem eine Scheinschwangerschaft beim Hund auslösen kann.
Anöstrus (Ruhephase): Funkstille im Zyklus
Die Ruhephase ist der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten. Hormone und Körper ruhen, die Hündin zeigt keine Anzeichen einer Läufigkeit mehr. Diese Phase ist die längste im gesamten Zyklus. Sie dauert je nach Hunderasse und Individuum etwa einen bis sechs Monate, im Mittel rund vier Monate. Die Schwankungsbreite ist dabei groß.
Was im Körper dahintersteckt: Hormone und medizinischer Hintergrund
Damit du nicht nur die Symptome kennst, sondern auch verstehst, was sie auslöst, hier der medizinische Hintergrund, kurz und verständlich.
Den Ausgangspunkt nimmt alles im Gehirn. Der Hypothalamus gibt das Startsignal in Form des Hormons GnRH an die direkt darunterliegende Hirnanhangsdrüse, die Hypophyse. Diese schüttet daraufhin die Hormone FSH und LH aus. FSH regt die Eibläschen in den Eierstöcken zum Wachsen an, die dabei Östrogen produzieren. Östrogen ist das Hormon, das die Vulva anschwellen lässt, die Blutung während der Läufigkeit auslöst und die Hündin für Rüden attraktiv macht.
Gegen Ende der Vorbrunst erreicht der Östrogenspiegel seinen Höhepunkt und fällt danach wieder ab. Genau dieser Abfall, zusammen mit dem beginnenden Progesteronanstieg, löst den sogenannten LH-Peak aus, einen plötzlichen starken Anstieg des LH-Hormons. Dieser Anstieg löst den Follikelsprung aus, allerdings nicht sofort, sondern erst etwa ein bis drei Tage später. Eine Besonderheit der Hündin: Der Progesteronspiegel beginnt schon vor dem Eisprung zu steigen, weil die Follikel sich bereits vorher umbauen. Genau diesen Umstand nutzen Tierarztpraxen, um über eine Blutuntersuchung den Eisprung vorherzusagen. Nach der Ovulation brauchen die Eizellen dann noch einmal zwei bis drei Tage, bis sie überhaupt befruchtungsfähig sind. Progesteron ist das Hormon, das nach dem Eisprung dominiert und den Körper der Hündin so verhält, als wäre eine Trächtigkeit eingetreten, ob tatsächlich eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Das erklärt, warum auch komplett ungedeckte Hündinnen nach der Läufigkeit manchmal Nestbauverhalten zeigen oder Milch bilden. Im Verlauf des Metöstrus fällt der Progesteronspiegel wieder ab, meist über einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Monaten hinweg. Dabei steigt das Hormon Prolaktin an, und genau das löst die Scheinträchtigkeit und das Mutterschutzverhalten aus. Je steiler das Progesteron abfällt, desto höher steigt das Prolaktin und desto wahrscheinlicher wird eine Scheinträchtigkeit.
Dieser dauerhaft erhöhte Progesteronspiegel nach jeder Läufigkeit hat auch eine medizinische Kehrseite. Er macht die Gebärmutterschleimhaut anfälliger für bakterielle Entzündungen und verringert gleichzeitig die Abwehrkraft der weißen Blutkörperchen in der Gebärmutter. Das ist der Ursprung der Pyometra, der Gebärmuttervereiterung, auf die wir weiter unten noch eingehen.
Anzeichen für die Läufigkeit: So erkennst du, dass deine Hündin läufig ist
Manche Hündinnen zeigen die Läufigkeit sehr deutlich, andere so diskret, dass Halter sie fast verpassen. Das sind die häufigsten äußeren Anzeichen einer Läufigkeit:
- Die Vulva schwillt sichtbar an
- Blutiger Scheidenausfluss oder rötliche Blutung, mal stark, mal nur wenige Tropfen
- Die Hündin putzt und leckt sich häufiger als sonst
- Häufigeres Markieren beim Gassigehen, deutlich öfter als gewöhnlich
- Verändertes Verhalten: manche Hündinnen werden anhänglicher und ruhiger, andere unruhiger, verspielter oder leicht gereizt
- Kommandos funktionieren weniger zuverlässig, sogar gut trainierte Hunde können während der Läufigkeit schwieriger zu handhaben sein
- Starkes Interesse von Rüden, oft schon bevor du selbst die Läufigkeit der Hündin erkannt hast
Das Verhalten von Rüden ist oft das erste, was Haltern auffällt. Rüden nehmen den Geruch einer läufigen Hündin schon aus deutlicher Entfernung wahr und reagieren oft, lange bevor du den anderen Hund überhaupt siehst. Es ist keine Seltenheit, dass Halter durch das ungewöhnliche Interesse anderer Hunde an der Hündin überhaupt erst merken, dass ihre Hündin läufig ist.
Stille Läufigkeit und geteilte Läufigkeit: Sonderfälle
Besonders bei der ersten Läufigkeit einer Hündin kann es vorkommen, dass die typischen äußerlichen Anzeichen der Läufigkeit ausbleiben oder kaum erkennbar sind. Das wird als stille Läufigkeit oder weiße Läufigkeit bezeichnet. Der Körper durchläuft hormonell trotzdem alle Phasen, die Vulva schwillt vielleicht minimal an und es gibt kaum sichtbaren Ausfluss. Die Hündin ist aber trotzdem deckbereit und kann unbemerkt gedeckt werden. Das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit ist in diesem Fall besonders hoch, weil Halter die fruchtbare Phase schlicht nicht erkennen.
Ebenfalls keine Seltenheit ist die sogenannte geteilte Läufigkeit, auch Split-Östrus genannt. Dabei zeigt die Hündin zunächst klassische Anzeichen einer Läufigkeit, diese brechen nach wenigen Tagen wieder ab, und Wochen später beginnt die Läufigkeit von vorn. Der Abstand liegt meist bei zwei bis zehn Wochen. In der ersten, abgebrochenen Phase kommt es normalerweise noch nicht zum Eisprung, erst die zweite Phase verläuft mit Ovulation und damit fruchtbar. Es klingt verwirrend, ist bei jungen Hündinnen aber in der Regel harmlos und gibt sich meist von selbst. Tritt eine geteilte Läufigkeit allerdings wiederholt auf, lohnt sich eine tierärztliche Abklärung, weil dann eine zugrundeliegende Störung dahinterstecken kann.
Alltagstaugliche Tipps rund um die Läufigkeit
Immer an der Leine
Klingt banal, ist aber der wichtigste Punkt. Eine läufige Hündin kann im richtigen Moment alle Gehorsamkeitserfolge der letzten Monate vergessen, wenn ein Rüde in Sichtweite ist. Der Trieb übertrumpft das Training. Führe sie während der gesamten Läufigkeit, nicht nur in der Brunstphase, an der Leine.
Routen und Zeiten anpassen
Meide Orte mit hohem Hundeaufkommen, vor allem während der empfängnisbereiten Phase. Früh morgens oder spät abends sind Wege oft ruhiger.
Andere Halter informieren
Sprich andere Hundebesitzer direkt an und bitte sie, ihre Rüden anzuleinen. Die meisten reagieren verständnisvoll, wenn man es freundlich kommuniziert.
Einen Läufigkeitskalender führen
Notiere den Beginn der Läufigkeit beim ersten Bluttropfen und das Ende der sichtbaren Symptome. So erkennst du das individuelle Intervall deiner Hündin nach zwei bis drei Zyklen zuverlässig und kannst Urlaube oder andere Termine besser planen.
Geduld mit dem Verhalten
Wenn deine Hündin auf Kommandos nicht reagiert, unruhig ist oder gereizter wirkt, ist das keine Sturheit und kein Rückschritt im Training. Der Körper der Hündin überflutet sie gerade mit Hormonen, die sie selbst nicht steuern kann. Schimpfen hilft hier gar nicht. Solltest du deine Hündin in dieser Zeit in die Hundeschule bringen, sprich das Thema vorher offen mit dem Trainer an, da eine läufige Hündin in der Hundeschule andere Hunde erheblich ablenken kann.
Läufigkeitshose, Hygiene und der Alltag zu Hause
Neben allem Medizinischen ist die Läufigkeit für viele Halter erst einmal eine ganz praktische Frage: Wie kommt man zwei bis drei Wochen lang durch den Alltag, ohne dass Sofa, Teppich und Autositz leiden? Die gute Nachricht ist, dass die meisten Hündinnen sich selbst sehr sauber halten. Wie stark es überhaupt sichtbar wird, hängt stark vom einzelnen Hund ab, kleine Hündinnen bluten oft kaum wahrnehmbar, große teils deutlich.
Fünf Dinge, die den Alltag leichter machen
- Die Läufigkeitshose richtig einsetzenSie ist für zu Hause gedacht, nicht für den Spaziergang. Getragen wird sie nur, solange deine Hündin sie ohne Stress akzeptiert, und sie gehört regelmäßig gewechselt. Zwischendurch sollte die Hündin auch Zeit ohne sie bekommen. Wichtig: Eine Läufigkeitshose ist kein Verhütungsmittel. Sie hält keinen entschlossenen Rüden ab.
- Rechtzeitig daran gewöhnenZieh die Hose einmal in einer entspannten Situation an, bevor die Läufigkeit überhaupt losgeht, und belohne ruhiges Verhalten. Eine Hündin, die das Teil zum ersten Mal mitten in der Läufigkeit kennenlernt, wehrt sich verständlicherweise dagegen.
- Liegeplätze vorbereitenEine waschbare Decke über Hundebett, Sofaplatz und Autositz spart die halbe Diskussion. Alte Handtücher tun es genauso gut wie teure Schonbezüge.
- Beim Putzen nicht übertreibenDie Hündin muss nicht täglich gebadet werden. Häufiges Waschen im Intimbereich reizt die Haut nur. Ein feuchtes Tuch bei Bedarf reicht völlig.
- Übermäßiges Lecken im Blick behaltenDass sich die Hündin sauber leckt, ist normal. Wenn sie sich aber ununterbrochen an der Vulva zu schaffen macht, kann eine Entzündung dahinterstecken und das gehört abgeklärt.
Scheinträchtigkeit: Wenn der Körper eine Trächtigkeit vortäuscht
Die Läufigkeit ist vorbei, die Blutung längst versiegt, und plötzlich schleppt deine Hündin ein Plüschtier durch die Wohnung, buddelt Decken zu einem Nest zusammen und lässt niemanden mehr an ihr Körbchen. Manche Halter erschrecken, weil sie glauben, ihr Hund sei doch trächtig geworden. Meistens steckt etwas anderes dahinter: eine Scheinträchtigkeit.
Der Grund liegt in einer Besonderheit des Hündinnen-Zyklus. Nach dem Eisprung produzieren die Gelbkörper in den Eierstöcken Progesteron, und zwar völlig unabhängig davon, ob die Hündin gedeckt wurde oder nicht. Hormonell verhält sich der Körper einer nicht gedeckten Hündin in den ersten Wochen also fast genauso wie der einer tragenden. Fällt das Progesteron am Ende des Metöstrus wieder ab, steigt im Gegenzug das Hormon Prolaktin, und Prolaktin ist genau das Hormon, das die Milchbildung und das Mutterverhalten anschaltet.
Nach Angaben von tiermedizinportal.de zeigen sich die Anzeichen typischerweise drei bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit. Je steiler der Progesteronspiegel abfällt, desto höher steigt das Prolaktin und desto deutlicher fällt die Scheinträchtigkeit aus. Das erklärt, warum es Hündinnen gibt, die nach jeder Läufigkeit deutliche Anzeichen zeigen, und andere, bei denen nie etwas auffällt.
Woran du eine Scheinträchtigkeit erkennst
- Körperliche AnzeichenDas Gesäuge schwillt an und kann Milch bilden. Manche Hündinnen fressen weniger, andere mehr als sonst. Gelegentlich wird der Bauchumfang etwas größer.
- VerhaltensänderungenSpielzeug, Socken oder Hausschuhe werden gesammelt, bemuttert und teils gegen Menschen und andere Hunde verteidigt. Dazu kommen Nestbau, Unruhe und ein erhöhtes Anhänglichkeitsbedürfnis.
- Was du besser lässtDas Gesäuge nicht ausstreichen und nicht massieren. Jeder Reiz an der Zitze regt die Prolaktinausschüttung weiter an und verlängert damit genau das, was du eigentlich beenden willst.
- Was tatsächlich hilftAblenkung durch Spaziergänge und Beschäftigung und die Ersatzwelpen unauffällig aus dem Zugriff nehmen. Wasser bleibt dabei jederzeit frei zugänglich, die Trinkmenge einzuschränken bringt nichts. Trinkt deine Hündin dagegen auffällig viel mehr als sonst, ist das kein Zeichen der Scheinträchtigkeit, sondern ein Grund, an eine Gebärmuttervereiterung zu denken. Meistens klingt die Scheinträchtigkeit innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst ab.
Wann die Tierarztpraxis dran ist: Wenn die Scheinträchtigkeit sehr stark ausgeprägt ist, länger als drei Wochen anhält, das Gesäuge sich heiß und schmerzhaft anfühlt oder deine Hündin nach jeder Läufigkeit erneut betroffen ist. Es gibt Medikamente, die den Prolaktinspiegel senken. Und wenn das Thema regelmäßig wiederkehrt, ist auch eine Kastration ein Gespräch wert.
Gebärmuttervereiterung: das ernsteste Risiko nach der Läufigkeit
Dieser Abschnitt ist der wichtigste im ganzen Ratgeber, und gleichzeitig der, den die meisten Läufigkeits-Artikel überspringen. Die Gebärmuttervereiterung, medizinisch Pyometra, ist die häufigste ernste Erkrankung, die im Anschluss an eine Läufigkeit auftreten kann. Sie ist deutlich seltener als eine Scheinträchtigkeit, aber sie ist ein Notfall.
Der Zusammenhang mit der Läufigkeit ist kein Zufall. Progesteron, das nach dem Eisprung über Wochen erhöht bleibt, dämpft die örtliche Abwehr in der Gebärmutter und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird. Bakterien, die während der Läufigkeit durch den geöffneten Gebärmutterhals eingewandert sind, finden dort ideale Bedingungen. Deshalb liegt das Risikofenster nicht während der Läufigkeit, sondern danach.
Laut vet-dogs.de entsteht eine Pyometra am häufigsten zwischen zwei Wochen und vier Monaten nach einer Läufigkeit. Grundsätzlich kann sie nach jeder Läufigkeit auftreten. Das Risiko steigt aber deutlich mit dem Alter, betroffen sind vor allem unkastrierte Hündinnen jenseits der vier Jahre und solche, die nie trächtig waren. Genau deshalb ist der Kalender so nützlich: Wenn deine Hündin ein paar Wochen nach der Läufigkeit anfängt, auffällig viel zu trinken, hast du den Zusammenhang sofort im Kopf.
Die vier Alarmzeichen
- Auffällig starker DurstDas wichtigste Frühzeichen und gleichzeitig das am häufigsten übersehene. Die Hündin trinkt deutlich mehr als gewohnt und muss entsprechend häufiger raus. Wer nur auf Ausfluss wartet, verpasst dieses Signal.
- Eitriger oder blutiger AusflussEin cremiger, gelblicher oder bräunlicher Ausfluss aus der Vulva, oft mit unangenehmem Geruch. Achtung: Bei der geschlossenen Form fehlt der Ausfluss komplett, weil der Eiter nicht abfließen kann. Diese Form ist die gefährlichere.
- Antriebslosigkeit und AppetitlosigkeitDie Hündin wirkt matt, will nicht spielen, frisst schlechter oder gar nicht mehr. Manchmal kommen Erbrechen und Fieber dazu.
- Aufgezogener oder gespannter BauchVor allem bei der geschlossenen Form, wenn sich Eiter in der Gebärmutter sammelt. Der Bauch fühlt sich dann prall an und die Hündin reagiert empfindlich auf Berührung.
Diese Anzeichen sind kein Fall für Abwarten. Eine Pyometra wird über Blutbild und Ultraschall festgestellt und in aller Regel operativ behandelt, indem Gebärmutter und Eierstöcke entfernt werden. Frühzeitig erkannt ist das ein planbarer Eingriff mit guter Prognose. Unbehandelt kann die Gebärmutter reißen und eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung auslösen. Wenn du also im Zeitfenster nach der Läufigkeit mehrere dieser Zeichen siehst, ruf noch am selben Tag in deiner Tierarztpraxis an.
Wann du mit deiner Hündin zum Tierarzt solltest
Die meisten Läufigkeiten verlaufen unkompliziert. Es gibt aber Situationen, in denen du nicht abwarten solltest. Die beiden wichtigsten, die Gebärmuttervereiterung und die stark ausgeprägte Scheinträchtigkeit, sind oben ausführlich beschrieben. Darüber hinaus gehören diese Punkte abgeklärt:
- Eine Läufigkeit, bei der die Hündin länger als drei bis vier Wochen blutet und dabei für Rüden attraktiv bleibt. Dahinter können zum Beispiel Eierstockzysten oder hormonell aktive Tumore stecken.
- Läufigkeiten, die wiederholt in Abständen von deutlich unter vier Monaten wiederkehren.
- Ausbleibende Läufigkeit bei einer Hündin, die bisher regelmäßig läufig war. Auch das kann auf eine Erkrankung hindeuten.
- Eine erste Läufigkeit, die über den vierundzwanzigsten Lebensmonat hinaus komplett ausbleibt.
- Eine geteilte Läufigkeit, die wiederholt auftritt und sich nicht von selbst einpendelt.
Wer langfristig über die Kastration der Hündin nachdenkt, bespricht das ebenfalls in der Tierarztpraxis, weil Zeitpunkt und Methode individuell abgewogen gehören.
Die Läufigkeit ist ein natürlicher Vorgang, der mit dem richtigen Wissen deutlich stressfreier wird. Für dich und für deine Hündin. Wenn du verstehst, was in ihrem Körper gerade passiert, kannst du besser einschätzen, was normal ist und wann echte Aufmerksamkeit gefragt ist.
Weitere gesundheitliche Aspekte der Läufigkeit und allgemeine Gesundheitsthemen findest du in unserem Bereich Gesundheit.
Um dein Wissen zu geschlechtsspezifischen Themen zu vertiefen, empfehlen wir dir unseren Fragebogen zum Thema Geschlechter.
Häufige Fragen zur Läufigkeit der Hündin
Wie lange ist eine Hündin läufig?
Die sichtbare Läufigkeit, also Vorbrunst und Standhitze zusammen, dauert bei den meisten Hündinnen etwa zwei bis drei Wochen. Beide Phasen liegen im Mittel bei je neun Tagen, die normale Spanne reicht aber von drei bis siebzehn Tagen für die Vorbrunst und von drei bis einundzwanzig Tagen für die Standhitze. Hormonell ist der Zyklus danach noch monatelang aktiv, auch wenn von außen nichts mehr zu sehen ist.
Wann ist eine Hündin während der Läufigkeit fruchtbar?
Der Eisprung fällt in die Standhitze, also die zweite Phase, meist um den elften bis dreizehnten Tag nach dem ersten Bluttropfen. Verlassen solltest du dich darauf aber nicht. Spermien bleiben im Körper der Hündin vier bis sieben Tage befruchtungsfähig, deshalb kann auch ein Deckakt gegen Ende der Vorbrunst noch zu einer Trächtigkeit führen. Wer eine ungewollte Verpaarung sicher vermeiden will, passt ab dem ersten Bluttropfen auf.
Wie oft wird eine Hündin im Jahr läufig?
Im Durchschnitt liegen etwa sieben Monate zwischen zwei Läufigkeiten, normal ist eine Spanne von vier bis dreizehn Monaten. Die meisten Hündinnen kommen damit auf ungefähr eineinhalb bis zwei Läufigkeiten pro Jahr. Bei großen Rassen kann der Abstand bei neun bis zwölf Monaten liegen, sodass sie nur einmal jährlich läufig werden. Kehrt die Läufigkeit dagegen wiederholt in Abständen von deutlich unter vier Monaten wieder, gehört das tierärztlich abgeklärt.
Kommt eine Hündin irgendwann in die Wechseljahre?
Nein. Anders als beim Menschen hört der Zyklus bei der Hündin nicht auf. Sie bleibt ihr Leben lang läufig, auch im hohen Alter. Die Abstände zwischen den Läufigkeiten werden mit den Jahren aber oft länger und die Anzeichen schwächer. Genau deshalb bleibt auch das Risiko einer Gebärmuttervereiterung bei einer unkastrierten Hündin lebenslang bestehen und steigt mit dem Alter sogar an.
Was ist eine stille Läufigkeit?
Bei einer stillen Läufigkeit, auch weiße Läufigkeit genannt, läuft der Zyklus ganz normal ab, aber die sichtbaren Anzeichen fehlen fast völlig. Es gibt kaum Blutung und die Vulva schwillt nur wenig an. Das Entscheidende dabei: Die Hündin ist trotzdem fruchtbar und deckbereit. Besonders bei der ersten Läufigkeit junger Hündinnen kommt das vor. Wenn dein Hund plötzlich auffällig viel Aufmerksamkeit von Rüden bekommt, ohne dass du eine Läufigkeit bemerkt hättest, ist das oft die Erklärung.
Meine Hündin bemuttert nach der Läufigkeit ihr Spielzeug, ist das normal?
Ja, das ist das klassische Bild einer Scheinträchtigkeit und tritt typischerweise drei bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit auf. Der Körper reagiert auf den natürlichen Hormonwechsel am Ende des Zyklus. In den meisten Fällen klingt das innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst wieder ab. Wichtig ist, das Gesäuge in Ruhe zu lassen, weil jeder Reiz die Milchbildung weiter anregt. Bei starker Ausprägung oder wenn sich das Gesäuge heiß und schmerzhaft anfühlt, gehört die Hündin in die Praxis.
Woran erkenne ich eine Gebärmuttervereiterung?
Das wichtigste und am häufigsten übersehene Zeichen ist auffällig starker Durst mit entsprechend häufigem Urinieren. Dazu können eitriger oder übelriechender Ausfluss, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber und ein gespannter Bauch kommen. Bei der geschlossenen Form fehlt der Ausfluss ganz, das macht sie gefährlicher. Das Risikofenster liegt zwischen zwei Wochen und vier Monaten nach der Läufigkeit. Bei diesen Anzeichen gehört die Hündin noch am selben Tag tierärztlich untersucht.
Sollte meine Hündin einmal läufig gewesen sein, bevor sie kastriert wird?
Das ist eine Entscheidung, die in die Tierarztpraxis gehört und nicht pauschal beantwortet werden kann. Sie hängt von Rasse, Alter, Größe, Gesundheitszustand und dem Verhalten deiner Hündin ab. Was sich sachlich sagen lässt: Eine Kastration beendet die Läufigkeiten. Weil dabei die Eierstöcke entfernt werden und damit das Progesteron wegfällt, kann eine klassische Gebärmuttervereiterung danach praktisch nicht mehr entstehen. Bleibt die Gebärmutter im Körper, wie es bei der häufig durchgeführten reinen Ovariektomie der Fall ist, ist in sehr seltenen Fällen noch eine sogenannte Stumpfpyometra möglich. Gleichzeitig ist die Kastration ein Eingriff mit eigenen Folgen für Stoffwechsel, Fell, Harnkontinenz und teils das Verhalten. Lass dich dazu individuell beraten.
Quellen und Hinweis
Verwendete Quellen
- MSD Veterinary Manual, Breeding Management of BitchesZyklusintervall, Dauer der Phasen, Zeitpunkt von LH-Peak und Eisprung
- MSD Veterinary Manual, Pyometra in Small AnimalsSymptome der Gebärmuttervereiterung, Rolle von Progesteron, Diagnose und Behandlung
- embryology.ch (Universitäten Bern, Freiburg und Zürich), Sexualzyklus der HündinHormonverlauf, präovulatorischer Progesteronanstieg, Überlebensdauer der Spermien
- tiermedizinportal.de, Scheinträchtigkeit beim HundZeitfenster und Auslöser der Scheinträchtigkeit, Zusammenhang Progesteron und Prolaktin
- vet-dogs.de, Die eitrige Gebärmutterentzündung der HündinZeitfenster nach der Läufigkeit, Altersverteilung, offene und geschlossene Form
- Cornell University, Riney Canine Health Center, Dog Estrous CyclesZeitpunkt der ersten Läufigkeit nach Rassegröße
Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Verdacht auf eine Gebärmuttervereiterung oder bei einer stark ausgeprägten Scheinträchtigkeit gehört deine Hündin in die Tierarztpraxis.