Läufigkeit bei der Hündin: Anzeichen, Phasen und der Zyklus der Hündin erklärt

Verschiedene Tipps für den Alltag und genaue Erklärung zur Läufigkeit bei der Hündin

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Läufigkeit bei Hunden was soll man tun und welche Tipps gibt es?

Du findest Blutflecken auf dem Hundebett, deine Hündin schleicht enger an dir vorbei als sonst, und beim Gassigehen dreht plötzlich jeder Rüde in der Gegend durch. Das ist ein klares Zeichen, deine Hündin ist läufig. Für viele Halter, besonders beim ersten Mal, ein Moment voller Fragezeichen.

Was die Läufigkeit beim Hund eigentlich ist

Läufigkeit bei der Hündin, umgangssprachlich auch Hitze oder Standhitze genannt, bezeichnet einen bestimmten Abschnitt im Sexualzyklus der Hündin. Genau genommen ist es der Zeitraum, in dem der Körper der Hündin auf eine mögliche Trächtigkeit vorbereitet wird, der Follikelsprung stattfindet und sie für Rüden empfänglich ist.

Was viele nicht wissen: Im Gegensatz zum menschlichen Menstruationszyklus gibt es bei Hündinnen keine Wechseljahre. Eine unkastrierte Hündin wird ihr Leben lang läufig. Die Intervalle werden im Alter zwar etwas unregelmäßiger und weniger deutlich, aber sie hören nicht auf.

Läufigkeit bei Hunden was tun

Wann wird eine Hündin läufig? Zeitpunkt der ersten Läufigkeit

Der Zeitpunkt der ersten Läufigkeit der Hündin hängt stark von der Größe des Hundes ab. Kleine Rassen kommen früher in die Pubertät als große, weil ihr Körper schlicht schneller ausgewachsen ist.

Als grobe Orientierung gilt: Kleine Hunde werden meist zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat zum ersten Mal läufig, mittelgroße Hunderassen zwischen dem achten und dreizehnten Monat, und große Rassen wie Bernhardiner oder Doggen erst zwischen dem zwölften und vierundzwanzigsten Monat. Es gibt also Hündinnen, die mit sechs Monaten schon läufig sind, und andere, bei denen die erste Läufigkeit erst mit zwei Jahren auftritt. Beides ist normal.

Neben der Größe spielen auch der allgemeine Gesundheitszustand, die Ernährung und das Umfeld eine Rolle. Hündinnen unter chronischem Stress zeigen die erste Läufigkeit ihrer Hündin oft verzögert.

Im Durchschnitt wird eine Hündin zweimal im Jahr läufig, also ungefähr alle sechs bis acht Monate. Bei großen Hunderassen kann es auch nur einmal im Jahr sein. Das Intervall ist sehr individuell und pendelt sich meist erst nach dem zweiten oder dritten Zyklus ein. Es lohnt sich, einen Kalender zu führen.

Die vier Phasen der Läufigkeit erklärt

Der Zyklus der Hündin besteht aus vier verschiedenen Phasen. Wenn von Läufigkeit bei Hündinnen gesprochen wird, meinen die meisten damit die ersten beiden, also Proöstrus und Östrus zusammen. Der gesamte Sexualzyklus läuft aber über mehrere Monate.

Proöstrus (Vorbrunst): Erste Anzeichen der Läufigkeit

Die Vorbrunst dauert im Durchschnitt neun Tage, kann aber je nach Hündin zwischen drei und siebzehn Tagen liegen. Die Vulva der Hündin beginnt anzuschwellen und es setzt eine Blutung mit rötlichem Scheidenausfluss ein, mal stärker, mal kaum sichtbar, weil manche Hündinnen sich sehr sorgfältig selbst reinigen.

Obwohl die Hündin in dieser Phase für Rüden schon hochinteressant riecht, ist sie noch nicht deckbereit und lässt keinen Deckakt zu. Das Verhalten von Rüden verändert sich bereits deutlich, die Hündin hingegen weist sie in dieser Phase oft noch aktiv ab.

Östrus (Brunst / Standhitze): Die fruchtbare Phase der Läufigkeit

Das ist die Phase, in der du wirklich aufpassen musst, wenn du keine ungewollte Trächtigkeit möchtest. Der Östrus dauert ebenfalls etwa neun Tage, kann aber zwischen drei und einundzwanzig Tagen variieren. Der Ausfluss wird heller und wässriger, die Schwellung der Vulva geht etwas zurück. Die Hündin ist jetzt deckbereit, weicht Rüden nicht mehr aus und dreht beim Aufeinandertreffen sogar aktiv die Rute zur Seite.

Der Follikelsprung aus den Eierstöcken findet innerhalb dieser Phase statt. Wann genau, lässt sich von außen nicht zuverlässig bestimmen. Wer den genauen fruchtbaren Zeitpunkt kennen muss, zum Beispiel für eine geplante Begattung, sollte einen Scheidenabstrich beim Tierarzt machen lassen.

 

Metöstrus (Nachbrunst): Der lange Abklang

Der Metöstrus wird von den meisten Haltern kaum bewusst wahrgenommen, weil die sichtbaren Symptome verschwunden sind. Hormonell ist jedoch noch viel los. Diese Phase dauert unabhängig davon, ob eine Befruchtung stattgefunden hat, etwa sechzig bis neunzig Tage. Der Progesteronspiegel bleibt erhöht und die Gelbkörper in den Eierstöcken sind weiter aktiv, was in dieser Zeit unter anderem eine Scheinschwangerschaft beim Hund auslösen kann.

Anöstrus (Ruhephase): Funkstille im Zyklus

Die Ruhephase ist der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten. Hormone und Körper ruhen, die Hündin zeigt keine Anzeichen einer Läufigkeit mehr. Diese Phase dauert je nach Hunderasse und Individuum mehrere Wochen bis mehrere Monate.

Was im Körper dahintersteckt: Hormone und medizinischer Hintergrund

Damit du nicht nur die Symptome kennst, sondern auch verstehst, was sie auslöst, hier der medizinische Hintergrund, kurz und verständlich.

Den Ausgangspunkt nimmt alles im Gehirn, genauer in der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse. Sie schüttet die Hormone FSH und LH aus. FSH regt die Eibläschen in den Eierstöcken zum Wachsen an, die dabei Östrogen produzieren. Östrogen ist das Hormon, das die Vulva anschwellen lässt, die Blutung während der Läufigkeit auslöst und die Hündin für Rüden attraktiv macht.

Wenn der Östrogenspiegel seinen Höhepunkt erreicht, kommt es zum sogenannten LH-Peak, einem plötzlichen starken Anstieg des LH-Hormons. Dieser Anstieg löst den Follikelsprung aus. Genau ab diesem Moment beginnen die Progesteronwerte zu steigen. Progesteron ist das Hormon, das nach dem Eisprung dominiert und den Körper der Hündin so verhält, als wäre eine Trächtigkeit eingetreten, ob tatsächlich eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Das erklärt, warum auch komplett ungedeckte Hündinnen nach der Läufigkeit manchmal Nestbauverhalten zeigen oder Milch bilden. Sobald der Progesteronspiegel nach etwa sechzig Tagen abfällt, steigt das Hormon Prolaktin an, was die Scheinträchtigkeit und das Mutterschutzverhalten auslöst.

Dieser dauerhaft erhöhte Progesteronspiegel nach jeder Läufigkeit hat auch eine medizinische Kehrseite. Er macht die Gebärmutterschleimhaut anfälliger für bakterielle Entzündungen und verringert gleichzeitig die Abwehrkraft der weißen Blutkörperchen in der Gebärmutter. Das ist der Ursprung der Pyometra, der Gebärmuttervereiterung, auf die wir weiter unten noch eingehen.

Anzeichen für die Läufigkeit: So erkennst du, dass deine Hündin läufig ist

Manche Hündinnen zeigen die Läufigkeit sehr deutlich, andere so diskret, dass Halter sie fast verpassen. Das sind die häufigsten äußeren Anzeichen einer Läufigkeit:

  • Die Vulva schwillt sichtbar an
  • Blutiger Scheidenausfluss oder rötliche Blutung, mal stark, mal nur wenige Tropfen
  • Die Hündin putzt und leckt sich häufiger als sonst
  • Häufigeres Markieren beim Gassigehen, deutlich öfter als gewöhnlich
  • Verändertes Verhalten: manche Hündinnen werden anhänglicher und ruhiger, andere unruhiger, verspielter oder leicht gereizt
  • Kommandos funktionieren weniger zuverlässig, sogar gut trainierte Hunde können während der Läufigkeit schwieriger zu handhaben sein
  • Starkes Interesse von Rüden, oft schon bevor du selbst die Läufigkeit der Hündin erkannt hast

Das Verhalten von Rüden ist oft das erste, was Haltern auffällt. Rüden können den Geruch einer läufigen Hündin auf sehr große Distanzen wahrnehmen. Es ist keine Seltenheit, dass Halter durch das ungewöhnliche Interesse anderer Hunde an der Hündin überhaupt erst merken, dass ihre Hündin läufig ist.

Stille Läufigkeit und geteilte Läufigkeit: Sonderfälle

Besonders bei der ersten Läufigkeit einer Hündin kann es vorkommen, dass die typischen äußerlichen Anzeichen der Läufigkeit ausbleiben oder kaum erkennbar sind. Das wird als stille Läufigkeit oder weiße Läufigkeit bezeichnet. Der Körper durchläuft hormonell trotzdem alle Phasen, die Vulva schwillt vielleicht minimal an und es gibt kaum sichtbaren Ausfluss. Die Hündin ist aber trotzdem deckbereit und kann unbemerkt gedeckt werden. Das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit ist in diesem Fall besonders hoch, weil Halter die fruchtbare Phase schlicht nicht erkennen.

Ebenfalls keine Seltenheit ist die sogenannte geteilte Läufigkeit, auch Split-Östrus genannt. Dabei zeigt die Hündin zunächst klassische Anzeichen einer Läufigkeit, diese klingen dann für einige Tage wieder ab, um danach erneut aufzutreten. Es klingt verwirrend, ist aber biologisch harmlos. Beide Varianten sind kein Symptom für eine Erkrankung.

Läufigkeit beim Hund alltagstipps und was man dagegen tun kann

Alltagstaugliche Tipps rund um die Läufigkeit

Immer an der Leine

Klingt banal, ist aber der wichtigste Punkt. Eine läufige Hündin kann im richtigen Moment alle Gehorsamkeitserfolge der letzten Monate vergessen, wenn ein Rüde in Sichtweite ist. Der Trieb übertrumpft das Training. Führe sie während der gesamten Läufigkeit, nicht nur in der Brunstphase, an der Leine.

Routen und Zeiten anpassen

Meide Orte mit hohem Hundeaufkommen, vor allem während der empfängnisbereiten Phase. Früh morgens oder spät abends sind Wege oft ruhiger.

Andere Halter informieren

Sprich andere Hundebesitzer direkt an und bitte sie, ihre Rüden anzuleinen. Die meisten reagieren verständnisvoll, wenn man es freundlich kommuniziert.

Hygiene und Läufigkeitshose

Wenn deine Hündin stark blutet und du Möbel oder Teppiche schützen möchtest, gibt es spezielle Läufigkeitshosen. Gewöhne sie deine Hündin erst kurz in einer ruhigen Situation daran, nicht direkt beim ersten Mal im Stress.

Einen Läufigkeitskalender führen

Notiere den Beginn der Läufigkeit beim ersten Bluttropfen und das Ende der sichtbaren Symptome. So erkennst du das individuelle Intervall deiner Hündin nach zwei bis drei Zyklen zuverlässig und kannst Urlaube oder andere Termine besser planen.

Geduld mit dem Verhalten

Wenn deine Hündin auf Kommandos nicht reagiert, unruhig ist oder gereizter wirkt, ist das keine Sturheit und kein Rückschritt im Training. Der Körper der Hündin überflutet sie gerade mit Hormonen, die sie selbst nicht steuern kann. Schimpfen hilft hier gar nicht. Solltest du deine Hündin in dieser Zeit in die Hundeschule bringen, sprich das Thema vorher offen mit dem Trainer an, da eine läufige Hündin in der Hundeschule andere Hunde erheblich ablenken kann.

Wann du unbedingt zum Tierarzt solltest

Die meisten Läufigkeiten verlaufen unkompliziert. Es gibt aber Situationen, in denen du nicht abwarten solltest:

  • Eitriger, übelriechender Ausfluss nach dem Ende der Läufigkeit ist ein ernstes Warnsignal. Das kann auf eine Pyometra hinweisen, eine Gebärmuttervereiterung, die unbehandelt lebensbedrohlich wird. Sie entsteht oft zwei bis acht Wochen nach der Läufigkeit.

  • Harter, gespannter Bauch in Kombination mit Antriebslosigkeit, Trinkverweigerung oder Fieber.

  • Läufigkeit, die deutlich länger als vier Wochen anhält oder die in sehr kurzen Abständen wiederkehrt.

  • Ausbleibende Läufigkeit bei einer Hündin, die bisher regelmäßig läufig war. Auch das kann auf eine Erkrankung hindeuten.

Eine Scheinschwangerschaft beim Hund nach der Läufigkeit ist in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge und klingt von selbst ab. Wenn deine Hündin dabei jedoch unter starker Unruhe, Appetitlosigkeit oder deutlichem Leid leidet, ist ein Tierarztbesuch sinnvoll. Wer langfristig über die Kastration der Hündin nachdenkt, sollte dieses Thema ebenfalls mit dem Tierarzt besprechen, da Zeitpunkt und Methode individuell abgewogen werden sollten.

Die Läufigkeit ist ein natürlicher Vorgang, der mit dem richtigen Wissen deutlich stressfreier wird. Für dich und für deine Hündin. Wenn du verstehst, was in ihrem Körper gerade passiert, kannst du besser einschätzen, was normal ist und wann echte Aufmerksamkeit gefragt ist.

Weitere gesundheitliche Aspekte der Läufigkeit und allgemeine Gesundheitsthemen findest du in unserem Bereich Gesundheit.

Um dein Wissen zu geschlechtsspezifischen Themen zu vertiefen, empfehlen wir dir unseren Fragebogen zum Thema Geschlechter.

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